Grimme Online Award 2009

Die Preisträger

Kategorie WISSEN und BILDUNG

Kategorie SPEZIAL

PUBLIKUMSPREIS



Preisträger des Grimme Online Award INFORMATION



Carta

 

Preis verliehen für Redaktion und Autorenschaft

"Carta" bezeichnet sich als "Autoren-Blog für Politik, Medien und Ökonomie". Aufgeteilt in die Rubriken Agenda, Ökonomie und Medien beleuchten über 30 Autoren in regelmäßigen Beiträgen vor allem Zusammenhänge und Hintergründe, etwa zur Medienpolitik der Parteien, zu den Themen Qualitätsjournalismus oder Urheberrecht – ergänzt durch redaktionell erstellte Verlinkungen in externe Publikationen und Blog-Beiträge. Das seit Oktober 2008 existierende "Carta" versteht sich als überparteilich und unabhängig und will Anregungen zur kritischen Analyse bieten.

Internetadresse: carta.info

Verantwortliche Personen: Dr. Robin Meyer-Lucht (Redaktion und Autorenschaft), Christoph Butscher (Redaktion), Hans Bellstedt (Autorenschaft), Christoph Bieber (Autorenschaft), Mercedes Bunz (Autorenschaft), Kai Burkhardt (Autorenschaft), Severin Fischer (Autorenschaft), Oliver Geden (Autorenschaft), Peter Glaser (Autorenschaft), Justus Haucap (Autorenschaft), Stefan Heidenreich (Autorenschaft), Heiko Hilker (Autorenschaft), Christian Humborg (Autorenschaft), Michael Jeismann (Autorenschaft), Jürgen Kalwa (Autorenschaft), Jan Krone (Autorenschaft), Jörn Kruse (Autorenschaft), Sebastian Lange (Autorenschaft), Gerd Langguth (Autorenschaft), Daniel Leisegang (Autorenschaft), Florian Meyer (Autorenschaft), Ulrike Langer (Autorenschaft), Wolfgang Michal (Autorenschaft), Alexander Missal (Autorenschaft), Tobias Moorstedt (Autorenschaft), Leonard Novy (Autorenschaft), Marvin Oppong (Autorenschaft), Tim Renner (Autorenschaft), Stephan Ruß-Mohl (Autorenschaft), Achim Rust (Autorenschaft), Friedrich Schneider (Autorenschaft), Klaus-Peter Schöppner (Autorenschaft), Matthias Schwenk (Autorenschaft), Michael Spreng (Autorenschaft), Petra Thorbrietz (Autorenschaft), Carsten Zorn (Autorenschaft)

Begründung der Jury

"Carta" bietet professionellen und originären Online-Journalismus, der nicht aus einem Haus der alten Medien stammt. Seinen inhaltlichen Schwerpunkt legt "Carta" auf den Medienumbruch durch das Web sowie auf medienpublizistische, -politische und -ökonomische Themen. Was die Website bietet ist seriöser, unabhängiger und relevanter Journalismus, und sie ist auf dem Weg, eine medienpublizistische Marke im Web zu werden.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatten ist bemerkenswert, dass das Konzept von "Carta" nicht auf die vielbeschworenen nutzergenerierten Inhalte setzt: Die Website veröffentlicht in Form von Blog-Einträgen mit Kommentarfunktion zuvorderst Beiträge von renommierten Wissenschaftlern und Journalisten. Die journalistischen Darstellungsformen reichen von Analysen über Reportagen bis hin zu Recherchestücken, vor allem aber sind es fachkundige, hintergründige und meinungsstarke Beiträge und Positionen.

Die Stärke des Autorenkollektivs von "Carta" ist es, dass in den Beiträgen größere Zusammenhänge in den Blick genommen und angemessen verortet werden. Somit dient die Website als sinnvolle Ergänzung zu den vielfältigen Einzel-Blogs, die sich mit Medien, Politik und Wirtschaft befassen. Hervorzuheben sind darüber hinaus die – prominent platzierten – redaktionell sorgfältig ausgewählten Links zu relevanten Beiträgen anderer Medien. Das Portal öffnet sich hier in angemessener Weise und gibt dem Nutzer eine wertvolle Orientierungsfunktion.

"Carta" ist ein erstes gelungenes deutschsprachiges Beispiel dafür, dass ein Autoren-Blog nicht lediglich als Ergänzung zu den einschlägigen Medienseiten der überregionalen Presse abgetan werden kann: "Carta" kann die Funktion eines führenden Medienbeobachters und -kommentators in Deutschland übernehmen

 

 

 
 



Jens Weinreich - Blog

 

Preis verliehen für Autorenschaft und Gesamtverantwortung

"don’t mix politics with games" lautet der Untertitel des Weblogs von Jens Weinreich. Und doch macht der profilierte Sportjournalist genau das: Hier werden keine Fußballergebnisse kommentiert oder sportliche Helden gefeiert. Jens Weinreich – der als freier Journalist sonst für Hörfunk und Print arbeitet – nutzt die Nische Internet, um über die Schnittstelle von Politik und Sport zu berichten. Und so kann der Nutzer in seinem Blog einen detaillierten Bericht aus dem Sportausschuss des Bundestags nachlesen oder sich über die Verwicklungen im Fifa-Exekutivkomitee informieren. Auch die vielen Kommentare belegen, dass der humorvoll-ironische Ton und die kenntnisreiche Themenwahl eine Lücke schließen, die der traditionelle Sportjournalismus hinterlässt.

Gesamtverantwortung: Jens Weinreich

Internetadresse: jensweinreich.de

Begründung der Jury

Journalisten-Blogs existieren zahlreich im Web, doch nur wenige dieser von professionellen Autoren gestalteten Blogs bieten einen Einblick in die journalistische Arbeit. Zu den wohltuenden Ausnahmen gehört das Blog des Sportjournalisten Jens Weinreich, in dem er Themen und deren Hintergründe so tief beleuchtet, wie es ihm offenbar nur im Web möglich ist. Weinreich belegt in seinem Blog mit viel Fleiß und Engagement, dass intensive, investigativ-journalistische Recherche harte Arbeit ist. So schreibt Weinreich zum Beispiel jedes Mitglied des Sportausschusses des Bundestages an und dokumentiert eintreffende und ausbleibende Antworten zu Fragen des Dopings und zum Umgang mit Dopingtrainern – ein Thema, mit dessen Komplexität Weinreich seine Leser nicht verschont.

Gleichzeitig stellt sich Weinreich seinen Lesern – und auch hier zeigt sich, dass er ein unerschrockener Journalist ist, dessen Meinung nicht unbedingt jedem gefällt. Das Medium erlaubt ihm aber, die Klaviatur des vorbildlichen Journalisten mit direkten und ungefilterten Kommentaren seiner Leser zu erweitern und somit Diskussionen entstehen zu lassen, die sich in anderen Blogs selten so lebendig und kompetent entfachen. Durch den professionellen und transparenten Umgang mit Informationen hat Weinreich es zudem geschafft, auch andere Blogger und deren Leser für sein Thema zu interessieren und eine Resonanz erhalten, die kaum ein anderes Fachblog erreicht.

Auch wenn eine übersichtlichere Gestaltung und Rubrikenbildung gerade Themenfremden den Zugang erleichtern würden, erhält der Sportjournalismus mit Jens Weinreichs Blog einen erheblichen Gewinn.

 
 



ZDFParlameter

 

Preis verliehen für Gesamtverantwortung und Gestaltung

Das "ZDFParlameter" macht namentliche Abstimmungen der Bundestagsabgeordneten transparent und dadurch Demokratie nachvollziehbar. Es ist, als würde man durch die gläserne Kuppel des Reichtagsgebäudes schielen und den Abgeordneten bei ihren Abstimmungen über die Schulter schauen. In einer aufwändigen Grafik, die das Plenum samt Parteienfarbspektrum plastisch stilisiert, erkundet der Nutzer die politischen Entscheidungen seiner gewählten Vertreter. Er kann nicht nur herausfinden, wie welcher Abgeordneter gestimmt hat, sondern die Parlamentarier auch nach bestimmten Kriterien filtern – so zum Beispiel, ob sich das Wahlverhalten je nach Geschlecht, Alter, Familienstand oder Bundesland unterscheidet. Prägnante Politikerprofile ergänzen das Angebot.

Verantwortliche Personen: Imke Pässler-Strauß (Gesamtverantwortung), Thomas Waldner (Gesamtverantwortung), Matthias Schöberl (Gesamtverantwortung), Clea Kächele, 4=1 (Gestaltung), Florian Eberstaller (Gestaltung), Joachim Gola, 4=1 (Gestaltung), Rolf Zimmermann (Gestaltung)

Internetadresse nicht mehr verfügbar

Begründung der Jury

Das "ZDFParlameter" bringt ein kleines Stück mehr Transparenz in unsere Demokratie: Die Intention dieses Angebots ist es, das Abstimmungsverhalten aller Bundestagsabgeordneten zu den unterschiedlichen Gesetzesvorlagen zu dokumentieren und für den Bürger auf anschauliche Weise nachvollziehbar zu machen.

Natürlich war das prinzipiell schon vorher möglich, aber die ansprechende Gestaltung und die Interaktivität machen die Beschäftigung mit Politik besonders niedrigschwellig. Außerdem fördert das "ZDFParlameter" die Neugier und macht sogar Spaß. Der Zugang ist intuitiv und erklärt sich von selbst. Er hilft, ständig neue Aspekte zu entdecken: Zum Beispiel, dass Parteien nicht immer so monolithisch abstimmen, wie oft unterstellt wird. Oder dass immerhin jeder vierte Abgeordnete drei oder mehr Kinder hat. Oder dass doppelt so viele CDU- wie SPD-Abgeordnete gegen das Finanzmarktstabilisierungsgesetz gestimmt haben (nämlich zwei). So können selbst eher politikferne Nutzer angesprochen werden, auch wenn der spielerische Zugang dazu verleiten kann, Scheinzusammenhänge herzustellen.

Dabei ist das Angebot immer auf einem neuen Stand und hilft somit, selbst aktuelle Bundestags-Abstimmungen zu hinterfragen. Der Inhalt der Gesetzesvorlagen wird dabei in kurzen Texten verständlich zusammengefasst, die allerdings von Links in das übrige ZDF-Angebot ergänzt werden könnten, um die Beschäftigung mit den inhaltlichen Hintergründen noch leichter zu gestalten.

Nicht nur im Superwahljahr 2009 trägt dieses Angebot somit definitiv zur Orientierung bei. Die Jury freut sich daher, dass das "ZDFParlameter" auch nach der Bundestagswahl weitergeführt werden soll.

 
 



Preisträger des Grimme Online Award WISSEN und BILDUNG



Design Tagebuch

 

Preis verliehen für Autorenschaft und Redaktion

In schlichtem Design präsentiert sich das "Design Tagebuch" und berichtet über Design, Webdesign, Fotografie oder ganz allgemein über das Thema Gestaltung. Hauptthemen des Diplom-Designers Achim Schaffrinna sind dabei Logoentwicklungen und Relaunchs von Websites. Das Fachblog ist nicht nur an Fachleute gerichtet, sondern adressiert seine Themen auf verständliche Weise auch an eine breite, interessierte Leserschaft. So können auch Laien mitlesen und in den Kommentaren mitdiskutieren. Dabei ist die Kritik immer konstruktiv und es wird Wert darauf gelegt, die Arbeit der Designer zu honorieren.

Verantwortliche Person: Achim Schaffrinna (Autorenschaft und Redaktion)

Internetadresse: www.designtagebuch.de

Begründung der Jury

Bei Nutzern erfreut sich das "Design Tagebuch" von Achim Schaffrinna bereits großer Beliebtheit und gehört für viele Designer zur täglichen Pflichtlektüre. Das Fachblog bietet allerdings mehr als spezifische Fachinformationen und verdient eine noch größere Aufmerksamkeit, vor allem außerhalb der Design-Community.

Die inhaltliche Konzeption des Blogs stellt hierfür die Weichen, denn die Design-Analysen werden für eine größere Öffentlichkeit angemessen aufbereitet. So ist eine Qualität des "Design Tagebuchs", dass die Fachbeiträge – beispielsweise zu Webdesign, Usability, Informationsarchitektur und Corporate Design – allgemeinverständlich geschrieben sind. Auch die Kategorien des Blogs – von "Netzbewegung" über "Relaunch" bis hin zu den "gruseligsten Seiten im Netz" – laden zum Stöbern ein.

Eine zentrale publizistische Leistung des Diplom-Designers Schaffrinna ist seine herausragende Auswahl der analysierten Websites, Logos und Themenfelder. Die Beiträge sind von hoher Relevanz, aktuell und nehmen häufig große Medienbetriebe, Unternehmen und Institutionen in den Blick. In dem Blog wird nicht an Kleinigkeiten herumgenörgelt, sondern es werden konzeptionelle Fragen von Designstrategien und Webtrends erörtert und diskutiert. Entscheidend ist dabei, dass die Texte nicht reiner Selbstzweck sind: Für alle, die sich für Designfragen interessieren, lassen sich aus den Analysen und Argumentationen nicht nur Erkenntnisse für die eigene Arbeit gewinnen.

Großen Anteil an dem Erfolg und an dem bemerkenswerten Nutzwert des Blogs haben die fachkundigen Kommentatoren. Sie liefern und verlinken in den Kommentaren viele inhaltlich interessante und relevante Vergleichsbeispiele zu Schaffrinnas Beiträgen. Der Lerneffekt dieses Fachblogs weist über die Einzelbeispiele hinaus und erfüllt somit den Anspruch einer designkundlichen Weiterbildung im Web.

 
 



zzzebraNetz

 

Preis verliehen für Redaktion und Gestaltung

Das "zzzebra Netz" ist die Vernetzung von fünf Kinderseiten, die der Labbé-Verlag konzipiert. Auf der Startseite können die Kinder wählen, ob sie das monatliche Web-Magazin, den Liederbaum mit über 600 Liedern aus aller Welt, den Lesekorb mit Märchen, Sagen und Geschichten, die Lernwerkstatt oder das Kinderforum besuchen möchten. Obwohl jeder Bereich einen individuellen Themenschwerpunkt abdeckt, zeichnet sich das Gesamtangebot durch vielfältig anregende Inhalte und liebenswürdige Zeichnungen aus. Das "zzzebra Netz" möchte eine geschützte Nische für Kinder im Internet sein, „denn wie in der Stadt sind die kleinen Sackgassen die einzigen Straßen, in denen sich Kinder aufhalten können.“ Aber auch für Eltern lassen sich auf dieser Seite so einige Schätze ausgraben.

Anbieter: Labbé Verlag, Bergheim

Verantwortliche Personen: Micha Labbé (Redaktion), Kathrin Amend (Redaktion), Britta Waldmann (Redaktion), Melanie Beyer (Gestaltung), Stephanie Moussavi (Gestaltung), Nicole Peter (Gestaltung)

Internetadresse: www.labbe.de/zzzebranetz

Begründung der Jury

Das "zzzebra Netz", so schreibt es Initiator Micha Labbé auf seiner Homepage selbst, sei kein stotterndes Zebra, sondern ein Netz von fünf Kinderseiten im Internet. Das "zzzebra Netz", so sieht es die Jury des Grimme Online Award, ist ein Kinderparadies. Eine Seite zum Stöbern, Spielen, Singen und Träumen. Eine Seite ohne Gewalt, Werbung, Krach und Blink. "zzzebra Netz" ist eine im besten Sinne unmoderne Seite, die doch ganz auf der Höhe der Zeit ist: Sie nutzt das Web, um Kindern Wissen zu vermitteln. Sie tut dies umfangreich, mit Sinn für Traditionen und einer grenzenlosen Liebe zum Detail.

Das "zzzebra Netz" ist prallgefüllt mit qualitativ hochwertigen Inhalten für Kinder und Jugendliche. Es gibt Zählreime, Grimms Märchen als Audiofile, 600 Kinderlieder aus aller Welt und Rechenaufgaben, die gegen die Zeit zu lösen sind – mit der Möglichkeit, sich in die "Hall of Fame" der besten kleinen Rechenkünstler einzutragen (allerdings, liebe Labbé-Truppe, muss die Jury hier mal schimpfen: Die Listen sind fast flächendeckend gehackt – in 6 Sekunden lassen sich 12 Aufgaben nicht lösen). Die Möglichkeiten des Web werden konsequent genutzt. So gibt es ein Forum, Umfragen und User-Votes, die ganz praktischen Nutzen bringen können, wie etwa im Fall von Manu, 14 Jahre alt: "Von mir wollen 3 Mädels was. Ich weiß nicht, welche ich nehmen soll. A) Ella, B) Susan, C) Lissy."

Wie Archäologen haben die Betreiber des "zzzebra Netz" alles zusammengetragen, was Kinder anspruchsvoll und trotzdem kurzweilig unterhält. Hier können Eltern getrost ihre Kinder ins Netz lassen – zumal das "zzzebra Netz" nicht weiter verlinkt, sondern sich als geschlossener Bereich versteht, einer Sackgasse gleich, wo Kinder ja auch besser spielen können als auf der Hauptstraße.

Die im deutschsprachigen Internet einzigartige Kinder-Seite "zzzebra Netz" begeistert die Jury des Grimme Online Award 2009 durch die kreative, unterhaltsame und kluge Redaktion und die feine und stimmige Gestaltung, die es sich leisten kann, auf Effekte ganz zu verzichten.

 
 



Preisträger des Grimme Online Award KULTUR und UNTERHALTUNG



Krimi-Couch.de

 

Preis verliehen für Idee und Konzept

Ein guter Krimi ist heutzutage weit mehr als seichte Trivialliteratur. Er hat zahlreiche Gesichter: Detektive, Journalisten, Pathologen… ja sogar Tiere! Um in der Vielzahl von Krimis aber einen guten zu finden, braucht es kompetenten Rat. Und den bietet die "Krimi-Couch". Sie ist eines der größten deutschsprachigen Online-Magazine zum Thema. Multimedial aufbereitet widmet sich das Portal der Spannungsliteratur. Hier werden nicht nur fachkundige Rezensionen, sondern auch individuelle Suchfunktionen geliefert. So gibt Krimi-Berater Dr. Watson durch einen generierten Fragebogen, der die Lesevorlieben ermittelt, wertvolle Schmökertipps. In einer interaktiven Weltkarte können Krimis nach geografischen Regionen ermittelt werden, während die Wörterwolke über die Schlagwort-Suche einen assoziativen Zugang ermöglicht.

Anbieter: Literatur-Couch Medien GmbH & Co. KG

Verantwortliche Personen: Lars Schafft (Idee und Konzept), André Schmechta (Idee und Konzept)

Internetadresse: www.krimi-couch.de

Begründung der Jury

Vorsicht – wer es sich erst einmal auf der Krimi-Couch bequem gemacht hat, der kommt so schnell nicht mehr davon los! Die Website besticht durch umfassende, qualitativ hochwertige Informationen zu einer Vielzahl von Kriminalromanen und ihren Autoren. Neben Buchbesprechungen und Autorenporträts sind es insbesondere die professionell produzierten Video-Interviews und Podcasts mit ihren Krimi-Tipps, die voll ins Schwarze treffen.

Im Frühjahr 2002 gestartet, zählt "Krimi-Couch.de" mittlerweile zu den langlebigen Literatur-Angeboten im Web, die permanent ausgebaut und weiterentwickelt werden. Um die Popularität der Krimi-Couch zu bemessen, muss man nicht erst die Webstatistik-Angaben des Herausgebers (10.000 Besuche täglich) bemühen: Die rege genutzte Kommentar-Möglichkeit bei den Rezensionen, die Diskussionen im Krimi-Forum sowie die gut besuchte Community ("Meine Krimi-Couch") reichen als sachdienliche Hinweise völlig aus. Bei Letzterer handelt es sich um einen passwortgeschützten Bereich, in dem (Kriminal-)Literaturliebhaber ein Profil anlegen und sich austauschen können. Einmal registriert, haben die Nutzer hier die Möglichkeit, ihr eigenes Bücherregal zu füllen, in den Regalen anderer Mitglieder zu stöbern und deren literarische Vorlieben kennen zu lernen sowie mit ihnen in Kontakt zu treten.

Was die Jury ausgezeichnet findet: Die Krimi-Couch ist nicht nur ein Fall für eingefleischte Krimi-Fans, sondern lädt mit ihren ideenreichen Zugangsmöglichkeiten auch solche Nutzer zum Verweilen ein, die das Genre bisher eher kalt gelassen hat. So bietet etwa die erweiterte Suchfunktion in Gestalt von "Dr. Watson – Ihr Krimi-Berater" mittels interessanter Auswahlkriterien eine nutzerfreundliche Hilfestellung, um aus den über 6.700 Titeln das Passende zu finden. Auch die interaktive Weltkarte, auf der die Kriminalromane nach ihren Schauplätzen verortet sind, ermöglicht einen liebevoll gestalteten Einstieg in die Krimi-Welt.

 
 



Tom und das Erdbeermarmeladebrot mit Honig

 

Preis verliehen für Idee, Gestaltung und Redaktion

Tom ist schmächtig, bebrillt und sehr hungrig! Tom ist so eine Art modernes Strichmännchen. Und er ist Bewohner einer fantasievollen Online-Welt. In seinen Geschichten hopst Tom frohgemut durch seinen kunterbunten Kinderkosmos - immer auf der Jagd nach einem Erdbeermarmeladebrot mit Honig. Doch abgesehen vom Marmeladenbrot wird hier nicht nur konsumiert: In interaktiven Spielen können die Kinder per Mausklick selbst bestimmen, wie die Geschichte weiter geht oder im Gästebuch an Tom eine Nachricht schreiben. Die liebevoll gestalteten Animationsfilme waren so erfolgreich, dass sie den Sprung vom Internet ins Fernsehen geschafft haben.

Anbieter: SWR Kindernetz

Verantwortliche Personen: Andreas Hykade (Idee und Gestaltung), Benjamin Manns (Redaktion), Sabine Stampfel (Redaktion), Dirk Bach (Gestaltung), Ulrike Häfner (Redaktion), Florian Käppler (Gestaltung), Daniel Requardt (Gestaltung), Ursi Zeilinger (Redaktion)

Internetadresse: www.kindernetz.de/tom

Begründung der Jury

Das Webangebot "TOM und das Erdbeermarmeladebrot mit Honig" eignet sich bereits für die jüngsten Internetnutzer. Mit nur geringen Hilfestellungen können sich Kinder ohne Lesekenntnisse durch die phantasievolle Welt von Tom navigieren. Zwei Episoden der Fernsehausstrahlung stehen zur Auswahl, aber vor allem können zwei interaktive Filme spielerisch erkundet werden. Mit zumeist großer Gelassenheit macht sich Tom auf die Suche nach einem Erdbeermarmeladebrot mit Honig. Der Nutzer steht ihm hier bei wichtigen Entscheidungen zur Seite: Soll Tom an Brot kommen, indem er dem Schwein die Sporen gibt, oder doch lieber das Raumschiff für die Erdbeermaus ins All steuern auf der Suche nach neuen Erdbeerfeldern?

Sowohl die grafische Anmutung, die Animation der Figuren, als auch das Sounddesign in Toms Welt sind so reduziert wie charmant, dass sie schnell laden und nicht nur die Allerkleinsten in ihren Bann ziehen.

Manche Erkenntnisse der Filme mögen simpel sein, beispielsweise welche Zutaten für ein Brot gebraucht werden oder woher eigentlich Honig kommt, gerade für jüngere Kinder sind sie aber durchaus lehrreich. Sehr weise ist nicht zuletzt die Erfahrung, dass Tom nach Verzehr eines Erdbeermarmeladebrotes – Verzeihung, nach Verzehr eines halben Erdbeermarmeladebrotes, das ihm so gut schmeckt, als wäre es ein Ganzes – den ganzen Tag wunschlos glücklich ist!

Bemerkenswert ist auch, dass die Filme von Tom seit vier Jahren einen festen Platz im Fernsehen haben, aber im Internet geboren wurden. Hier zeigen nach wie vor die interaktiven Filme die besondere Stärke des Mediums Web – und vermitteln den Kindern nebenbei erste Kenntnisse zur interaktiven Mediennutzung.

 
 



Preisträger des Grimme Online Award SPEZIAL



ByteFM

 

Preis verliehen für Redaktion und Konzept

"ByteFM" ist ein Musikradio mit Anspruch – wie es wahrscheinlich nur im Internet existieren kann. Moderiert und gestaltet von Musikjournalisten, Musikern und Kennern der Szene, unabhängig von Plattenlabels und Werbekunden. Die Musik wird noch von Hand ausgewählt, gespielt werden neue und alte Platten ohne Superhits und Computerrotation, Mitschnitte von Live-Konzerten und exklusive Mixe von lokalen und internationalen DJs. Zusätzlich gibt es Interviews und Hintergrundinformationen über Musik und ihre Macher, Szenen, Bands, Entwicklungen und Zusammenhänge.

Anbieter: ByteFM GmbH

Idee / Konzept: Ruben Jonas Schnell

Redaktion: Götz Adler, Martin Böttcher, Klaus Fiehe, Siri Keil, Oliver Korthals, Gesine Kühne, Heinz-Jürgen Maaßen, Marcus Maack, Jan Möller, Matthias Münchow, Marko Pauli, Markus Schaper, Ruben Jonas Schnell, Christoph Schupmann, Michael Seifert, Goetz Steeger, Christoph Twickel, Klaus Walter, Sandra Zettpunkt, Patrick Ziegelmüller, u.v.a.

Gestaltung: Martin Steinigen (Chewing the Sun Kommunikationsdesign)

Technische Umsetzung: Alexandra Friedrich, Kevin Hamann, Sebastian Hampf, Friederike Herr, Lars Sieling, Oliver Stangl, Christoph Reimann

Internetadresse: www.byte.fm

Begründung der Jury

"I am a DJ, I am what I play" sang David Bowie, bevor der kommerzielle Umbruch der Radiosender den geschmacksbildenden Radio-DJ durch den chartgesteuerten Computer ersetzte. Dass erst ein neues Medium genau das auferstehen lässt, was viele mit Wehmut an die früher vor dem alten Medium verbrachten Stunden zurückdenken lässt, mag Ironie des Schicksals sein. Doch ist "ByteFM" kein verklärter Blick in die Vergangenheit, sondern eine von Musikliebhabern für Musikliebhaber gestaltete und betriebene Plattform, die geschickt die Möglichkeiten des neuen Mediums nutzt, die Grenzen des Browsers durchbricht und über mehrere Kanäle hinweg ein stimmiges Erlebnis bietet. Die anspruchsvolle Technik bleibt dabei angenehm im Hintergrund, um dem Musikgenuss mehr Raum zu bieten. Von der Gestaltung der Website über den in einer unaufdringlichen Zusammenarbeit mit Panasonic angebotenen Player bis hin zu den redaktionellen Inhalten wird Qualität geboten, die nun ausgezeichnet wird.

Lediglich einen Wunsch kann "ByteFM" nicht erfüllen: Ein Archiv der Sendungen, so dass eine verpasste Sendung auch später noch gehört und die Nicht-Linearität eines Web-Radios ausgenutzt werden kann. Doch dieser Wunsch richtet sich eigentlich an die Musikindustrie, die gerade den Musikliebhabern, von denen sie ja schließlich lebt, bessere Nutzungsmöglichkeiten einräumen sollte.

"Video Killed the Radio Star" sangen die Buggles, und YouTube scheint diese Entwicklung zu beschleunigen, angefacht durch virales Marketing und crossmedialen Werbedruck. Gerade darum wird ein Kontrapunkt wie "ByteFM" dringend benötigt, um qualitativ hochwertige Orientierung abseits einer DSDS-geprägten Kultur zu bieten.

 
 



Preisträger des Grimme Online Award PUBLIKUMSPREIS



Wissen macht Ah!

 

Die Website des beliebten TV-Wissensmagazins für Kinder ist nach eigenen Angaben "von Klugscheißern für Klugscheißer". Das in grellgelbem Design gehaltene, verspielte, aber niemals anbiedernde Online-Angebot geht weit über die Fernsehsendung hinaus. Die jungen Nutzer können die Moderatoren verkleiden, ihr Wissen bei einem Quiz testen und sich lustiges Fanmaterial herunterladen. Natürlich gibt es auch ganz ernsthafte Hintergründe zur Sendung und zum Team sowie Experimente zum Nachmachen und klassische Wissensvermittlung. Im Multimedia-Bereich werden außerdem alle Folgen der Sendung archiviert.

Anbieter: Westdeutscher Rundfunk
Projektleitung: Oliver Schwarz
Konzept: Ulrike Müller-Haupt; Christian Hecker (Machbar GmbH, Kassel); Vera Noll, Oliver Schwarz, Tanja Hebenstreit
Gestaltung/Technik: Sebastian Biermer (Machbar GmbH, Kassel); Martin Haberland

Internetadresse: www.wissenmachtah.de