Grimme Online Award 2011

Die Preisträger

Kategorie INFORMATION

Kategorie WISSEN und BILDUNG

Kategorie KULTUR und UNTERHALTUNG

PUBLIKUMSPREIS



Preisträger des Grimme Online Award INFORMATION



DRadio Wissen

 
Screenshot "DRadio Wissen"

Die Website zum Wissensprogramm des Deutschlandradios bietet weit mehr als klassische Programmbegleitung: Sie macht die bisherigen Sendungen, strukturiert nach Themenbereichen, komplett zugänglich, ergänzt sie mit Manuskripten, Hintergrundinformationen und Bildern und begleitet aktuelle Themen mit eigenen Blog-Beiträgen. So entsteht ein ständig aktualisiertes und erweitertes Wissensportal, das sowohl neue Forschungsergebnisse als auch relevante Entwicklungen kompetent, übersichtlich und verständlich aufbereitet.

Anbieter: Deutschlandradio

Online-Beauftragter: Dr. Günter Müchler

Geschäftsführung, Idee und Konzept: Dr. Egbert Meyer, Dietmar Timm

Redaktion: Markus Frania, Manfred Hilling, Anja Stöcker

Grafische Gestaltung: Sebastian Kutscher (nondesign.de)

Internetadresse: wissen.dradio.de

Begründung der Jury

DRadio Wissen” überzeugt durch seine ganz besondere Art, Radio und Internet miteinander zu verbinden. Während Radioprogramme meist nach Sendungen sortiert sind oder nach Sendeschema und Sendezeiten, lädt „DRadio Wissen” sein Publikum ein, sich mit einem sehr vielfältigen, thematisch gegliederten Angebot zu beschäftigen. Die Website ist nutzerfreundlich klar und übersichtlich gegliedert, sehr leicht zu erschließen und kann von ihren Besuchern nach eigenen Vorlieben aufgeräumt, umgestaltet, neu sortiert und so an die persönlichen Interessen angepasst werden.

Im Mittelpunkt des noch jungen Angebotes stehen selbstverständlich die – qualitativ überzeugenden – Radiobeiträge, die auch per Suchbegriff oder Datum zu finden, live zu hören oder per Podcast zu beziehen sind.  Ein Muss für einen Sender, der nur digital über Kabel, per Satellit oder eben über Internet zu hören ist.

Aber damit begnügt sich das Internetangebot von „DRadio Wissen” nicht. Viele Beiträge werden zusätzlich als Text angeboten, zumindest in einer prägnanten Kurzfassung.  Links zu thematisch verwandten Beiträgen ziehen die Nutzer unaufdringlich tiefer ins Angebot des Senders.

Dazu gibt es Hintergrundinformationen und Fotos, weiterführende Quellen und Linktipps. Manche Themen werden um Blogbeiträge ergänzt und so stets aktuell gehalten. Die Site wird abgerundet durch aktuelle Nachrichten – nicht nur aus dem Bereich Wissen.  Die Internetgemeinde wird auf vielfältige Weise eingeladen, die Beiträge zu diskutieren. So muss Radio im Internet sein.

 
 



law blog

 
Screenshot "law blog"

Das „law blog” zählt zu den meistgelesenen Anwalt-Blogs in Deutschland. Udo Vetter, Fachanwalt für Strafrecht und Lehrbeauftragter für Medienrecht, informiert seine Nutzer regelmäßig und mit viel Ironie über seinen Alltag als Strafverteidiger. So etwa im Fall der Ex-Frau, die darauf besteht, mit dem gemeinsamen Hund zweimal die Woche je vier Stunden Gassi zu gehen, oder der Mann, der geklagt hatte, weil die Grube bei der Beerdigung seines Vaters zu klein war. Es gelingt ihm aber auch, seine Fälle aus der Rechtspraxis kritisch zu hinterfragen. Zudem setzt er als Gegner von Internetsperren oder Vorratsdatenspeicherung Akzente.

Idee und Redaktion: Udo Vetter

Technische Umsetzung: Florian Holzhauer

Internetadresse: www.lawblog.de

Begründung der Jury

Juristen haben es schwer: Im Studium schleppen sie den dicken Schönfelder durch die Uni, und am Wochenende können sie nicht auf Partys gehen, weil sie neue Gesetzestexte in das rote Buch einheften müssen. Nach dem Studium tragen sie unförmige schwarze Roben, unter denen man den maßgeschneiderten Anzug und die Rolex nicht sehen kann. Selbst beim Mittagessen hat man keine Ruhe, schließlich werden Urteile nicht im Gericht entschieden, sondern in vertraulichen Gesprächen, in denen sich die törichten Schicksale der unwissenden Mandanten nur bei einem Glas Château Mouton-Rothschild besser ertragen lassen.

Dass der Alltag eines Juristen ganz anders aussieht, diese Sicht verdanken wir Udo Vetter und seinem „law blog”. Seit Jahren bietet er uns einen qualitativ hochwertigen Blick hinter die Kulissen des juristischen Betriebes und zeigt uns zwischen verständlichen Erläuterungen der Paragraphen vor allem die menschliche Seite. Vetters Blog immunisiert gegen das beklemmend kafkaeske Gefühl, das Nichtjuristen in Rechtsfällen erfasst. Denn unter mancher Robe wird eine Jeans getragen, deren Träger gegen Fehler von Gerichten und gegnerischen Parteien kämpft, und nicht die Rolex, sondern die Bürokratie sind schwer zu (er)tragen. Den schmalen Grat zwischen Schweigepflicht und einer für den Erfolg eines Blogs notwendigen Offenheit erreicht Vetter dabei mit einem erzählerischen Stil, der die Relevanz trockener juristischer Themen für jeden verdeutlicht.

Als Strafverteidiger behandelt Vetter auch Verstöße im Bereich des Internetrechts. Kritisch, glaubwürdig und mit großer Genauigkeit hinterfragt er die Diskussionen um Netzsperren und Vorratsdatenspeicherung. Auch das hat das „law blog” zu einer wichtigen Institution im Netz werden lassen.

 
 



Preisträger des Grimme Online Award WISSEN und BILDUNG



Neusprechblog

 
Screenshot "Neusprechblog"

Der Name „neusprech” ist George Orwells Roman „1984” entnommen und damit Programm. Ob „Stresstest”, „Biosprit” oder „Schutzlücke”: Seit Frühjahr 2010 beobachten Martin Haase und Kai Biermann in ihrem Blog die Sprache von Politik und öffentlichen Debatten. Sie hinterfragen die verwendeten Begriffe, beleuchten sprachliche Hintergründe oder Wortverdrehungen und entlarven ideologische oder interessengeleitete Implikationen. Was in der Regel als selbstverständlich hingenommen wird, offenbart so bei genauerem Hinsehen ganz neue Dimensionen.

Gesamtverantwortung: Kai Biermann, Martin Haase

Technik: Christian Heise

Internetadresse: neusprech.org

Begründung der Jury

Bestimmte Begriffegaukeln einen klaren Sachverhalt vor, verschleiern aber im Grunde nur. „Sicherheitszone” ist so ein Begriff – eigentlich eine Zone der Unsicherheit. Oder „Stromveredelung” –bei dem nichts veredelt, sondern nur zwischengespeichert wird.

Gemein ist diesen Begriffen, dass sie in der Tagespolitik und im politischen Diskurs Hochkonjunktur haben, dass man sie überall liest und hört – besonders aus Politikermündern.  Ihre zu Grunde liegende Bedeutung wird aber kaum refl ektiert. Es soll gar nicht bewusst werden – und wird es auch nicht –dass hier durch Sprache manipuliert und Wahrheit verschleiert wird. Den Bedeutungen dieser sprachlichen Tarnversuche versucht das „Neusprechblog” auf die Spur zu kommen und hilft dabei dem Denken auf die Sprünge: Es entlarvt die Bedeutung der Nicht-Begriffe, und beschreibt kurzweilig die Absichten, die hinter der „Um-Larvung” stehen mögen. Die Autoren, Martin Haase, Professor für Linguistik, und Kai Biermann, Psychologe und Journalist, denken für uns viel über Sprache nach.

Nicht nur über die Semantik, sondern vor allem über die politische und wirtschaftliche Pragmatik der Sprache. Daher ist das „Neusprechblog” nicht nur ein Angebot für Sprachfetischisten, sondern für den politischen Menschen, also für uns alle. Auch wenn ein Stichwortverzeichnis noch fehlt, entsteht hier doch ein Lexikon der „Un-Begriffe”, in das jeder regelmäßig reinschauen sollte, um interessengesteuerte Sprachvernebelung aufdecken zu können.

 
 



Prison Valley

 
Screenshot "Prison Valley"

Cañon City, eine abgelegene Ortschaft in Colorado, ist die Hölle. Diesen Eindruck bekommt der Nutzer der interaktiven Webdokumentation, wenn er mit den ersten Bildern aus „Prison Valley” konfrontiert wird: 36.000 Einwohner leben dort – und es gibt 13 Haftanstalten. Der Journalist David Dufresne und der Fotograf Philippe Brault sind der US-amerikanischen Gefängnisindustrie auf den Grund gegangen und verwenden dabei die modernste Webtechnologie.

Der Nutzer kann sich auf eine beindruckende interaktive Erkundungstour durch das „Prison Valley” begeben und dabei mit anderen Nutzern und den Protagonisten in Verbindung treten.

Anbieter: ARTE

Autoren: Philippe Brault, David Dufresne

Produktion: Alexandre Brachet, Gregory Trowbridge

Redaktion: Marianne Levy-Leblond, Joel Ronez (ARTE France)

Internetadresse: prisonvalley.arte.tv

Begründung der Jury

„Prison Valley” ist der gelungene Versuch, dem Medium Film ein neues, interaktives Format zu geben.  Der Beitrag zeigt exemplarisch: So geht Film im Internet. „Prison Valley” nimmt vorweg, welche publizistischen Wege sich dem interaktiven Fernsehjournalismus der Zukunft öffnen.

„Prison Valley” porträtiert einen Ort in den USA, in dem Gefängnisse der wichtigste Wirtschaftsfaktor sind. Das verleiht dem Städtchen Cañon City, Colorado, eine bedrückende, düstere Stimmung. Ein faszinierender, diese Grundstimmung aufnehmender Dokumentarfi lm bildet das Rückgrat des Angebotes. Ein kurzer Vorspann zieht die Zuschauer hinein, führt in das Thema ein und stellt erste Protagonisten vor. Aus dem bis zu diesem Punkt zuschauenden Publikum werden Handelnde und Mitgestalter.  Elemente aus der Spiele-Welt laden die Zuschauer ein, mehr zu erfahren und mit anderen Nutzern in Kontakt zu treten. Jeder geht auf seine persönliche Entdeckungstour, deren Etappen man speichern kann, weil das Angebot für eine einzige Sitzung zu groß ist. Zu entdecken gibt es Fotos, Interviews, Texte und historische Dokumente. Externe Links führen zu aktualisierten Zusatzangeboten.  Dann geht es wieder zurück zum bildgewaltigen Film. Dabei verlassen die Autoren sehr schnell das titelgebende Tal und lassen ihre Protagonisten auch grundsätzliche Fragen nach Ethik und Wirksamkeit des Wegsperrens von Straftätern aufwerfen – Fragen, die auch am Beispiel Frankreich erörtert und in der Community diskutiert werden.

„Prison Valley” – ein Beitrag über Gefängnisse – experimentiert überzeugend mit Multimedia-Freiheit.

 
 



Preisträger des Grimme Online Award KULTUR und UNTERHALTUNG



Reisedepesche

 
Screenshot "Reisedepesche"

Seit Juni 2010 ist Johannes Klaus unterwegs um die Welt zu erkunden. In seinem Blog „Reisedepesche” berichtet er über seine Reise-Erlebnisse, über Begegnungen mit Menschen und deren Geschichten und schreibt auch über Empfindungen, Gedanken und Fragen, die ihn auf seiner Reise begleiten. Dazu gibt es jede Menge Bilder und Videos, die seine gewollt subjektiven Perspektiven veranschaulichen. So nimmt Johannes Klaus seine Leser mit auf eine ganz besondere Weltreise, die mehr und andere Zugänge bietet als ein gedruckter Reiseführer und daher auch zu vielen Kommentaren motiviert.

Gesamtverantwortung: Johannes Klaus

Programmierung: Lukas Petri (lpmdesign.de)

Internetadresse: reisedepesche.de

Begründung der Jury

Da verzichtet einer auf ein Jahr Lohn, macht sich auf in die Welt und schreibt ein Reiseblog. „Na, und?” könnte man fragen, schließlich gibt es Hunderte mehr oder weniger interessant umgesetzte Reiseblogs von Aussteigern und Weltreisenden.  Doch die „Reisedepesche” ist so rund und detailverliebt umgesetzt, dass sie wie ein Leuchtturm aus dem Genre herausragt.

Autor und Betreiber Johannes Klaus hat sein Blog im Stil alter Reise-Bildbände aus den 1950er Jahren gestaltet und vermittelt in pastellfarbener Ästhetik genau dieses neugierig machende Gefühl, das einst die Leser der frühen Nachkriegsreisebildbände sehnsüchtig in die weite Welt blicken ließ.
Das Gästebuch heißt hier „Telegramm”, die Fotogalerien „Lichtbilder” und die Videos werden von einer Wochenschau-Persifl age eingeleitet. Trotz der 1950er-Jahre-Ästhetik geht das Blog virtuos mit Social-Media-Elementen um. Über ein schön umgesetztes Google-Earth-Mashup lässt sich nicht nur die Reiseroute verfolgen, sondern auch in den Inhalten navigieren, die Kommentarfunktion wird von Besuchern lebhaft genutzt und die Videos sind professionell geschnitten und gestaltet, egal ob sie an einem thailändischen Strand oder in einer indonesischen Bambushütte bearbeitet wurden. Aber der Kern des Angebotes sind Texte und Bilder, die dem Nutzer die Menschen, denen Johannes Klaus begegnet, und die Orte, an die es ihn verschlägt, ganz nahe bringen.  Texte, die über schlichte Reiseberichte hinausgehen, eben weil sie refl ektiert und zum Teil selbstkritisch geschrieben sind.

Insgeheim hofft die Jury, dass Johannes Klaus viel länger als nur ein Jahr unterwegs sein – oder nach seiner Rückkehr weitere Projekte in dieser Art umsetzen wird.

 
 



wortwuselwelt

 
Screenshot "wortwuselwelt"

Die „wortwuselwelt” beschäftigt ihre jungen Nutzer mit Ton- und Wortspielen, mit Gedichten und „wuseligem Getier”. Sie eröffnet einen virtuellen Spielplatz, der Kinder einlädt, diese Welt zu entdecken und mit ihren Möglichkeiten zu experimentieren. Und nebenbei lernen die Kinder, was man mit einem Computer machen kann. Das Angebot verzichtet bewusst auf Erklärungen – die Seite kann nur durch Ausprobieren erforscht werden. Und nicht nur Kinder haben Spaß beim Entdecken dieses Angebots; auch Erwachsene können hier noch einmal Kind sein und sich in der Wortwuselwelt ausprobieren.

Gesamtverantwortung: Brigitte Krämer und Nina Pagalies

Internetadresse: www.wortwusel.net

Begründung der Jury

Das Webangebot „wortwuselwelt” zeigt, wie Kinderseiten auch sein können: Einfach anders.  Ungewöhnliche Spielelemente, die man woanders nicht fi ndet, werden ohne große Erklärungen präsentiert. Die Kinder können ungezwungen die Funktionen, Gedichte und Illustrationen erspielen. Dabei brechen die Macherinnen mit den Klischees von knallbunten Kinderwebsites und Reizüberflutung.

Sie setzen künstlerische, abstrakte und kreative Inhalte dagegen. Die Ausdauer, die Kinder – und auch Erwachsene – mit diesem Kreativbaukasten entwickeln, um spannende Ideen zu entdecken, wird mit viel Spaß, Poesie und einfallsreichen Bildern belohnt. Diese können die jungen Nutzer selbst verändern und dadurch wieder neu erfahren.

Bemerkenswert ist, dass die „wortwuselwelt” trotz dieser Einfachheit sehr wohl anspruchsvoll und originell ist: Kinder werden an Gedichte herangeführt, das bekannte Memory wird mit Geräuschen gespielt, kunstvoll gestaltete Formen schulen die Freude an der Gestaltung, und beim Verschieben von Silben lernen die Kinder über den Klang von Wörtern.

Dieser neue Dreh vom spielerischen Umgang mit Kunst und Sprache wirkt ein wenig wie ein Trip der grenzenlosen Möglichkeiten der Gestaltung im Internet. „wortwuselwelt” kann die Internetnutzer von heute und morgen inspirieren, zukünftige Webangebote, egal ob für Kinder oder Erwachsene, einfach neu zu denken.

 
 



Preisträger des Grimme Online Award SPEZIAL



GuttenPlag Wiki

 
Preisträger: "GuttenPlag Wiki"

Im „GuttenPlag Wiki” dokumentierten und diskutierten tausende Freiwillige die Plagiate in der Dissertation des damaligen Bundesministers der Verteidigung, Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg. In kurzer Zeit wurden Quellen für unbelegte Textpassagen gesammelt und wörtlichen Übereinstimmungen sowie kleineren und größeren Abweichungen in den Texten der Doktorarbeit gegenübergestellt. Visualisierung und Dokumentation des Umfangs dieser Plagiate waren sowohl Hintergrund als auch Anlass für intensive Medienberichterstattung und öffentliche Diskussion.

Plagiats-Dokumentation und Inhalte: mehr als 1.000 freiwillige Mitarbeiter

Hosting und Unterstützung: Wikia, Inc.

Internetadresse: de.guttenplag.wikia.com

Begründung der Jury

Zu einem Zeitpunkt, als große Verwirrung herrschte über die Bewertung der Dissertation von Karl-Theodor zu Guttenberg, schaffte das „GuttenPlag Wiki” Klarheit. In einer bisher ungesehenen Form der Zusammenarbeit prüften Tausende Webnutzer die Doktorarbeit im Einzelnen und deckten Unstimmigkeiten auf. Gefundene Plagiatstellen wurden im Detail den Originaldokumenten gegenübergestellt. Eine Übersicht der aufgefundenen Stellen wurde laufend auf der Hauptseite aktualisiert.  Diese Arbeitsweise sorgte in kurzer Zeit für vorzeigbare Resultate.

Die für jeden nachprüfbare Aufl istung machte die Website zu einer zentralen Anlaufstelle in der Diskussion über Plagiate in der Dissertation, die in den Medien und in der Bevölkerung über Wochen geführt wurde. Herausragend ist die faire und unvoreingenommene Arbeitsweise der Administratoren des Wikis, die den Ansturm von Mitarbeitern in konstruktive Bahnen lenkten und Lesern eine nüchterne Übersicht der Erkenntnisse lieferten.

Den öffentlichen Aussagen von Minister Guttenberg zu seiner Arbeit wurden so für alle nachprüfbare Fakten gegenübergestellt.  Nicht nur die Projektidee der Initiatoren war bemerkenswert, sondern auch die Hundertschaften von Webnutzern, die online und offl ine immer neue Passagen fanden, die in der Dissertation ohne Quellenangabe verwendet wurden. Das Projekt macht deutlich, dass Textvergleiche gut kollaborativ organisiert werden können und welche Möglichkeiten das Web generell für gemeinsames Arbeiten bietet.

 
 



Verräterisches Handy: Was Vorratsdaten über uns verraten

 
Screenshot "Verräterisches Handy: Was Vorratsdaten über uns verraten"

Der Politiker Malte Spitz hat sechs Monate seiner bei einem Telefonanbieter gespeicherten Vorratsdaten „ZEIT ONLINE” zur Verfügung gestellt. Auf Basis dieser Daten entstand eine interaktive Karte, auf der die Nutzer alle Aufenthaltsorte, Telefonate und SMS des Politikers nachvollziehen können. Angereichert wurde die Visualisierung mit frei verfügbaren Inhalten aus dem Internet – Tweets oder Blogeinträgen – von Malte Spitz. Die Zusammenstellung der Inhalte verdeutlicht, wie leicht sich mit Hilfe der Vorratsdatenspeicherung ein individuelles Profil anlegen lässt.

Anbieter: ZEIT ONLINE GmbH

Chefredaktion: Wolfgang Blau

Redaktion: Kai Biermann, Sascha Venohr; Lorenz Matzat (OpenDataCity)

Idee und Konzept: Kai Biermann; Lorenz Matzat (OpenDataCity)

Realisierung, Entwicklung, Gestaltung: Tibor Bogun; Michael Kreil, Lorenz Matzat (OpenDataCity)

Internetadresse: www.zeit.de/vorratsdaten

Begründung der Jury

Wie verhält sich ein Mensch, wenn er Tag und Nacht auf Schritt und Tritt verfolgt wird? Im Orwellschen Überwachungs- und Präventionsstaat erinnert der stechende Blick des „Big Brother” an die allgegenwärtige Beobachtung. Im Zeitalter der Handys jedoch bekommt die Mehrheit der Bürger gar nicht mit, dass nicht nur ihre Kommunikationsvorgänge, sondern auch ihr Aufenthaltsort protokolliert und gespeichert werden. „Big Brother” ist Fiktion, die von der Realität durch die Vorratsdatenspeicherung rechts überholt wurde. Der abstrakte Begriff täuscht darüber hinweg, dass es kein „Opt-out” aus der Überwachung gibt.

Was die Vorratsdatenspeicherung aber für den Einzelnen bedeutet, wenn die gespeicherten Daten mit den selbst preisgegebenen Datenspuren aus Facebook & Co.  zusammengesetzt werden, zeigt die innovative Verknüpfung und Visualisierung solcher Daten in „Verräterisches Handy: Was Vorratsdaten über uns verraten”. Die im Zeitraffer dargestellten und aus mehreren Quellen zusammengesetzten Daten eines halben Jahres im Leben des Grünen-Politikers Malte Spitz bieten eine eindrucksvolle Aufarbeitung des aktuell relevanten Themas. Die Interaktion mit den Daten erlaubt eigene Schlüsse, die von einem Artikel auf „ZEIT ONLINE” begleitet werden. Auch der Download der Daten ist möglich, um eigene Analysen durchführen zu können.

Datenjournalismus ist in Deutschland noch unterentwickelt, und „ZEIT ONLINE” hat einen ersten, wichtigen Beitrag zur Kultivierung dieses Genres geleistet. Hier entsteht ein neues journalistisches Feld, das so nur im Web möglich ist.

 
 



Preisträger des Grimme Online Award PUBLIKUMSPREIS



GameOne.de

 
Screenshot "GameOne.de"