Grimme Online Award 2006

Die Preisträger

Kategorie INFORMATION

Kategorie WISSEN und BILDUNG

Kategorie KULTUR und UNTERHALTUNG

Kategorie SPEZIAL

Intel PUBLIKUMSPREIS



Preisträger des Grimme Online Award INFORMATION



iRights.info

 
Screenshot: iRights.info

Preis an „iRights.info“, verliehen für Projektleitung und Redaktion.

Internetadresse: www.irights.info

Anbieter: Mikro e.V.

Gesamtverantwortung / Projektleiter: Dr. Volker Grassmuck

Redaktion: Valie Djordjevic, Robert A. Gehring, Till Kreutzer, Matthias Spielkamp

Gestaltung: Christine Gundelach (diesachbearbeiter.de)

Realisierung/Web-Programmierung: Stefan Schreck

Beschreibung

Sind Privatkopierer Verbrecher? Macht sich strafbar, wer eine CD brennt? Oder sich den Film der Woche auf der Festplatte speichert? Das zu beantworten, ist für Laien so schwer wie nie zuvor, denn das Urheberrecht gibt bisweilen selbst Juristen Rätsel auf. iRights.info, das Informationsangebot zum Urheberrecht in der digitalen Welt, bietet umfassende Orientierung.

Begründung der Jury

Sich im 21. Jahrhundert an Musik, Filmen oder Software zu erfreuen, ist ein schwieriges Unterfangen. Gesetzgeber verwirren den Konsumenten mit ersten und zweiten Novellierungskörben, Lobbyverbände der Unterhaltungsindustrie drohen in ihren Kampagnen mit Handschellen und Haftstrafen, während beim so genannten digitalen Rechtemanagement (DRM) jeder Anbieter sein eigenes Süppchen kocht und so das Nervenkostüm des Verbrauchers bei jedem Kauf erneut auf Strapazierfähigkeit testet.

Das Angebot iRights.info leistet in diesem Dickicht, das oft genug selbst Juristen Rätsel aufgibt, vorbildliche Orientierungsarbeit. In angenehm unaufgeregter Tonalität und in verständlicher Sprache klärt die Website all jene Alltagsprobleme, die zwischen CD-Brenner, DVD-Ländercode und MP3-Download auftauchen. iRights geht über lexikalische Ausführungen hinaus und nutzt die Dialogfähigkeit des Netzes zur Beantwortung konkreter Fragen.

iRights.info informiert nicht nur Konsumenten, sondern richtet sich mit praktischer Hilfestellung auch an Produzenten digitaler Werke, seien es Musiker, Filmemacher, Podcaster oder Autoren, und leistet so einen wertvollen Beitrag zur digitalen Kultur.

Mit der Auszeichnung artikuliert die Jury auch ihre Hoffnung, dass dieses wichtige Aufklärungsangebot die künftigen Entwicklungen weiterhin kritisch begleiten wird, und so dazu beiträgt, möglichst vielen Menschen den Umgang mit digitalen Medien zu erleichtern.

 
 



jetzt.de

 
Screenshot: jetzt.de

Preis an "jetzt.de", verliehen für Gesamtverantwortung und Redaktion.

Internetadresse: www.jetzt.de

Anbieter: Magazin Verlagsgesellschaft SZ mbH

Redaktionsleitung: Dirk von Gehlen

Objektleitung: Rainer Kerl

Beschreibung

Die Jugendwebseite der Süddeutschen Zeitung wählt täglich interessante Texte aus der SZ aus, ergänzt sie um ansprechende Themen für ihre jugendlichen Adressaten und bietet diesen vielfältige Möglichkeiten für eigene Beiträge. jetzt.de ist seit 1995 im Netz aktiv und greift seitdem kontinuierlich die neusten Entwicklungen auf. So gibt es Blogs bereits seit 2001. Im Rahmen des letzten Relaunchs im Dezember 2005 führte jetzt.de als einer der ersten im deutschsprachigen Internet Tag-Clouds (gewichtete Stichwörter) ein.

Begründung der Jury

jetzt.de ist das Jugend-Magazin der Süddeutschen Zeitung im Internet. Ausgewählte Artikel werden dem Infopool der Redaktion der Süddeutschen Zeitung entnommen, neu sortiert und ergänzt. Daraus entsteht eine neue Nomenklatur, die nicht mehr der Struktur einer Zeitung, sondern der Erwartungshaltung ihrer Adressaten folgt. Die Site weist eine hohe Tagesaktualität auf, die dem Rezeptionsverhalten der Nutzer entsprechend aufbereitet ist und von ihnen maßgeblich mitgestaltet wird.

Diese Form eines „partizipativen Online-Magazins“ motiviert die Nutzer und eliminiert die Kluft zwischen dem passiven Nachrichtenkonsum einerseits und einer Selbstbeteiligung andererseits, sei es in Form einer Kommentierung von Nachrichten, der Platzierung von eigenen News oder durch zahlreiche Blogs. Informationen werden den Themen Macht, Pop, Sex, Job, Kultur, Technik, Leben zugeordnet und durch eine eigene Redaktion ergänzt. Die durchgehende Gestaltung des redaktionellen Bereichs und der Kommentare der User animiert zu einer unkomplizierten und hohen Nutzerbeteiligung. Der Redaktion ist es dadurch gelungen, eine funktionierende und lebendige Community mit hoher Beteiligung zu etablieren.

Die Site macht formal einen sehr einheitlichen Gesamteindruck und ist ausgesprochen übersichtlich gestaltet. Die Typografie und das Verhältnis zwischen Text und Bild sind der Bildschirmrezeption angepasst. An einigen Stellen wird die Gestaltung als Signal eingesetzt: So wird die Beliebtheit der einzelnen Bereiche des Internetmagazins – Labels genannt – durch unterschiedliche Schriftgrößen angezeigt.

Die Entscheidung der Jury würdigt den Gesamteindruck der Site, d.h. ihre redaktionelle Qualität, die verbunden ist mit ihrer kommunikativen Öffnung und dem hohen Beteiligungsgrad ihrer jugendlichen Nutzer, sowie die funktionale, durchgängig auf einigen wesentlichen Elementen aufbauende Gestaltung.

 
 



Preisträger des Grimme Online Award WISSEN und BILDUNG



Blinde Kuh

 
Screenshot: Blinde Kuh

Preis an „Blinde Kuh“, verliehen für Projektentwicklung und Redaktion.

Internetadresse: www.blinde-kuh.de

Anbieter: Blinde Kuh e.V.

Geschäftsführung: Stefan R. Müller

Redaktion: Birgit Bachmann

Beschreibung

Als ehrenamtliches Projekt 1997 gegründet, gilt die „Blinde Kuh“ inzwischen als eine der wichtigsten Kinder-Websites im deutschsprachigen Internet. Sie bietet Kindern einen adäquaten Zugang zur Online-Welt, aufbereitet nach Themenfeldern und mit vielen zusätzlichen (Inter-)Aktionsmöglichkeiten. Die Blinde Kuh wird seit 2004 vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert und hat ihr Angebot mit einem aktuellen Relaunch umfassend erweitert.

Begründung der Jury

Die Jury vergibt einen GRIMME ONLINE AWARD an die Website Blinde Kuh und würdigt damit deren innovatives, vorbildliches Engagement für Kinder im Netz. Seit ihrer Gründung ist die Kindersuchmaschine konsequent weiterentwickelt und den Bedürfnissen der Nachwuchs-Surfer angepasst worden: Die schwierige Aufgabe – Funktionen einer Internetsuchmaschine und Schutz der Kinder zu vereinen – wird vorbildlich bewältigt. Blinde Kuh ist ein kindgerechtes Medium, das sowohl das Such- und Spielbedürfnis altersgerecht bedient als auch die Kinder daran gewöhnt, dem Internet als Spielmedium nicht blind zu vertrauen.

Die Unabhängigkeit des Angebots bei bewusstem Verzicht auf plakative Werbung und Verknüpfung zu bezahlten Inhalten in Kombination mit der kontinuierlich hohen Qualität der Informationen macht Blinde Kuh zu einem wichtigen Vertrauenselement für Kinder wie deren Eltern.

Der jüngste Relaunch brachte deutliche Verbesserungen in der Navigation, auch wenn die Menüstruktur in ihrer Übersichtlichkeit gerade für kindliche Nutzer optimierbar ist. Die Herausforderung, den stark unterschiedlichen Interessen von 6- und 12-Jährigen in einem Angebot gerecht werden zu wollen, lässt die Typographie des Angebots etwas unentschieden erscheinen. Besonders lobenswert jedoch empfand die Jury das sprachliche Niveau von Blinde Kuh: klar, schnörkellos und stets um ein Maximum an Verständlichkeit bemüht verzichtet die Suchmaschine auf jegliche Anbiederung an die Zielgruppe durch eine Pseudo- Jugend- oder Kindersprache.

 
 



Worldtrip.tv

 
Screenshot: worldtrip.tv

Preis an „Worldtrip.tv“, verliehen für Konzeption, Gestaltung und Programmierung.

Internetadresse: www.worldtrip.tv

Anbieter: Spiegel Online

Konzeption / Gestaltung / Programmierung / Durchführung: Jörg Pfeiffer (ROADTV)

Beschreibung

Worldtrip.tv ist eine neue Form einer interaktiven Reisereportage, die mit Audio-Fotostrecken und Videoreportagen den Verlauf eines Trips von Berlin nach Istanbul beschreibt. Alle Beiträge, eigene Vorschläge interessierter Nutzer und der Verlauf der Reise sind auf 6 Meter genau auf einer Karte verzeichnet. Beim Betrachten der Fotostrecken bewegt sich die Karte mit und zeigt die genaue Position der Aufnahmen.

Begründung der Jury

Worldtrip.tv nutzt die Möglichkeiten des Internets auf beeindruckende Weise und schafft so eine faszinierende Form der Reisereportage. In nicht linearer Erzählstruktur wird in Bild, Ton, Text und Film über verschiedene Reisen berichtet, die der Autor Jörg Pfeiffer in Europa unternommen hat. Die Besucher der Site konnten die erste Etappe der Fahrt nach Istanbul nicht nur in Echtzeit miterleben, sondern auch die Ziele entlang der Route mitbestimmen. Interaktivität beschränkt sich hier nicht auf das Klicken von Links, sondern ermöglicht die Kommunikation mit dem bloggenden Reisejournalisten und Urheber des Angebots.

Die Navigation, die auf das Angebot von Google Earth zurückgreift, führt durch die Reiseabschnitte und Usertipps. Auch wenn diese Art der Navigation für Ungeübte anfangs etwas ungewohnt ist, so ist sie für eine Reisereportage bestens geeignet. Worldtrip.tv ist eine sinnvolle und attraktive Anwendung dieser Map-Technologie im deutschsprachigen Raum – auch als Anregung und Vorbild für ähnliche journalistische Projekte und Präsentationen. Ausführlichere Texte zu den Reportagen, speziell zu den Bildstrecken, ließen sich in diese Art der Darstellung durchaus integrieren.

Beeindruckend an Worldtrip.tv fand die Jury die individuelle Nutzung der heutigen Möglichkeiten von Internet, Laptop und Digitaltechnik sowie die Umsetzung in ein Format, das die Grenze zwischen privatem Reisetagebuch und Medienbericht überschreitet. Diese neuen Formen der Grenzüberschreitung gehören zu den interessantesten Experimenten im Internet.

 
 



Preisträger des Grimme Online Award KULTUR und UNTERHALTUNG



Ehrensenf

 
Screenshot: Ehrensenf

Preis an „Ehrensenf“, verliehen für Produktion, Redaktion und Moderation.

Internetadresse: www.ehrensenf.de

Anbieter: ravenrocker

Produktion / Redaktion: Carola Sayer, Rainer Bender

Moderation: Katrin Bauerfeind

Beschreibung

Ehrensenf ist eine Show, die extra und ausschließlich für das Internet produziert wird. Das Internet-Comedy-Format stellt nicht allzu alltägliche Dinge vor, die wirklich verrückt sind und die eigentlich kein normaler Mensch benötigt (von der Katzenklo-Vase bis zum Hula Chair). Unter der Moderation von Katrin aus dem Schwabenland gelingt die Kommunikation zwischen Ehrensenf und den Usern.

Begründung der Jury

„Ehrensenf“ – der Titel ist ein Anagramm des Wortes „Fernsehen“ – ist erst seit November 2005 auf Sendung und, so urteilt die Jury, der „Newcomer“ des Jahres. Das US-Vorbild „Rocketboom“ ist zwar unverkennbar, doch haben die Produzenten von Ehrensenf, sie sind erfahrene Fernsehleute, einen eigenen Stil entwickelt: Ehrensenf parodiert gekonnt das Nachrichtenfernsehen mit Meldungen, die aus den Tiefen des Web stammen. Die Moderation wirkt improvisiert, ist aber perfekt bis ins Detail. Katrin Bauerfeind setzt ihre Pointen lässig wie Harald Schmidt, mit dem sie auch die Herkunft aus dem Schwabenland teilt. Sie verbindet die Surftipps mit manchmal akrobatischen Überleitungen.

Design und Inhalt sind fein aufeinander abgestimmt. Die Videos sind flott geschnitten. Senftüte und Löwengebrüll im Vorspann machen Ehrensenf zu einer einprägsamen Marke. Die vorgestellten Angebote können die Zuschauer dank einer Linkliste später noch einmal in Ruhe nachsurfen.

Ehrensenf zeigt, wie ein originäres Internetformat aussehen kann, das die multimedialen und interaktiven Möglichkeiten des Mediums virtuos nutzt. Hier wird das Internet nicht zu einer zweiten Abspielstation für TV-Beiträge degradiert, wie es auf den Websites der Fernsehsender oft noch der Fall ist. Die Jury stimmte überein, dass hier (wieder einmal) der Beweis erbracht wird, dass nicht Geld, sondern Einfallsreichtum über Qualität im Internet entscheidet. So hinterlassen auch die Zuschauer begeisterte Kommentare: Ehrensenf – eine „extra scharfe“ Zugabe.

 
 



Riesenmaschine

 

Preis an „Riesenmaschine“, verliehen für Konzept und Redaktion.

Internetadresse: www.riesenmaschine.de

Anbieter: Zentrale Intelligenz Agentur GbR, Abt. Riesenmaschine

Verantwortliche Personen: Kathrin Passig, Sascha Lobo, Holm Friebe, Aleks Scholz, Martin Baaske

 

Beschreibung

Riesenmaschine.de ist ein kollaboratives Weblog zum Thema „Fortschritt“, was den warenförmigen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt einschließt. Von einem weltweiten Korrespondentennetzwerk (Peking, Berlin, Wien, Toronto, Berkeley) werden die interessantesten Entwicklungen und Erfindungen auf allen Gebieten subjektiv abgedeckt und kritisch kommentiert. Ziel ist es, nach amerikanischem Vorbild den Blog- Journalismus in Deutschland zu professionalisieren und damit ein unkonventionelles und aktuelles Internet-Medium zu schaffen, dessen Relevanz über die Blogosphäre hinausreicht.

Begründung der Jury

Seit Juni 2005 nimmt sich unter www.riesenmaschine.de eine handverlesene Gruppe von Autorinnen und Autoren in täglichen Kommentaren des Zeitgeschehens an, das in Form bemerkenswerter Produkte und Phänomene in den Tiefen des Internet kristallisiert. Ihr Ziel ist es, dem „Weltkonsumenten“ eine kritisch-distanzierte Begeisterung für den Fortschritt der Zivilisation an die Hand zu geben.

Die Autorschaft wird nach dem Club-Prinzip nur auf Einladung zugelassen, was zu einer konsequent hohen Textqualität führt. Von Blogs, in denen es „nur um die Befindlichkeit der Schreiber“ gehe, grenzen die Riesenmaschinenmacher sich ab. Von elitärer Weltsicht trotzdem keine Spur. Die Texte sind zum Teil so gut, dass Leser respektvoll Neid-Depressionen eingestehen. Unter der Adressvariante www.riesenmaschiene.de findet sich für Rechtschreibreformgerüttelte und Orthografierelaxte auch eine „Riesenmaschiene für Doofe“.

Riesenmaschine ist so etwas wie ein Blog mit Bügelfalte: Formal von geradezu vollendeter Klarheit, zeigt sich das Konzept glanzvoll bei dem Versuch, klassische journalistische Qualität zu pflegen und sich gleichzeitig durch Texte von teils akrobatischer Virtuosität in eine produktive Entfernung zu ebendiesem klassischen Journalismus zu begeben.

Es gibt andere Blogs wie dieses, aber die Art, wie in der Riesenmaschine Ideen und Texte umgesetzt werden, ist unverwechselbar und hervorragend. Die Jury würdigt mit ihrer Entscheidung ein inhaltlich brilliantes Angebot, dessen Texte zum Formidabelsten und Unterhaltsamsten gehören, das im deutschsprachigen Netz zu finden ist. (Riesenmaschine ist das Angebot, bei dem die Jurymitglieder am meisten gelacht haben).

 
 



Preisträger des Grimme Online Award SPEZIAL



Spreeblick

 
Screenshot: Spreeblick

Preis an „Spreeblick“, verliehen für kreative Leistung, Gestaltung und Textqualität.

Internetadresse: www.spreeblick.com

Anbieter: Spreeblick Verlag KG

Kreative Leitung / Gestaltung / Hauptautor: Johnny Haeusler

Geschäftsführung / Vertrieb / Merchandising: Tanja Kreitschmann

Autoren: Max Winde, René Walter, Andreas Schepers

Technische Umsetzung: Max Winde

Beschreibung

Spreeblick versteht sich als Unterhaltungs-, Kultur- und Meinungs-Kanal, als Filter, als offenes Forum und als Gegenpol zur bestehenden Medienlandschaft. Mit stetig zunehmenden Besucherzahlen sieht sich das multimediale Blog als Anlaufstelle für diskussionsfreudige und engagierte Menschen jeden Alters und jeder Herkunft. Neben Rubriken wie „Heute vor einem Jahr“ gibt es einen regelmäßig erscheinenden Videocast mit dem „Star der Sendung“ Toni Mahoni.

Begründung der Jury

Spreeblick ist kein explizit journalistisches Angebot, bedient sich aber immer wieder journalistischer Mittel und setzt Themen, die von den traditionellen Medien aufgegriffen werden. Spreeblick ist kein Kunstwerk, remixt aber Versatzstücke der Popkultur auf intelligente Weise zu etwas völlig Neuem. Spreeblick ist kein Diskussionsforum, und doch entstehen in den Kommentarfeldern seiner Beiträge Debatten von besonderer Qualität.

Das Angebot zeigt, welchen Einfluss vernetzte Kleinstmedien abseits des Mainstream erlangen können. Johnny Haeuslers kritische und zugleich spielerische Auseinandersetzung mit den Geschäftspraktiken des Klingelton-Anbieters „Jamba“ oder der „Du bist Deutschland“- Werbekampagne dürften in die Lehrbücher für Public Relations eingehen. Haeusler pflegt dabei einen besonderen Tonfall. Seine Kritik ist niemals herablassend oder zynisch. Nicht nur den traditionellen Medien, sondern auch seinem eigenen Genre begegnet er mit Distanz und Selbstreflektion. Die „Spreeblick Verlag KG“ war einer der ersten Versuche in Deutschland, ein professionelles Blog-Netzwerk aufzubauen.

Podcasts und Videocasts gehören mittlerweile zum selbstverständlichen Angebot und sind angenehm unaufdringlich eingebunden. Die brillant schnodderigen Videos des „Toni Mahoni“ etwa haben sich als eine Art Gegenmodell zum durchgestalteten „Ehrensenf“ fest etabliert.

Spreeblick zeigt für den Bereich der deutschsprachigen Weblogs, wozu das Genre im besten Fall fähig ist. Mit herkömmlichen Kategorien ist das Angebot schwer zu fassen. Die Jury hat sich deshalb entschieden, Spreeblick mit dem Grimme Online Award Spezial auszuzeichnen.

 
 



Preisträger des Grimme Online Award Intel PUBLIKUMSPREIS



Ehrensenf

 
Screenshot: Ehrensenf

Preis an „Ehrensenf“, verliehen für Produktion, Redaktion und Moderation.

Internetadresse: www.ehrensenf.de

Anbieter: ravenrocker

Produktion / Redaktion: Carola Sayer, Rainer Bender

Moderation: Katrin Bauerfeind

Beschreibung

Ehrensenf ist eine Show, die extra und ausschließlich für das Internet produziert wird. Das Internet-Comedy-Format stellt nicht allzu alltägliche Dinge vor, die wirklich verrückt sind und die eigentlich kein normaler Mensch benötigt (von der Katzenklo-Vase bis zum Hula Chair). Unter der Moderation von Katrin aus dem Schwabenland gelingt die Kommunikation zwischen Ehrensenf und den Usern.

Begründung der Jury

„Ehrensenf“ – der Titel ist ein Anagramm des Wortes „Fernsehen“ – ist erst seit November 2005 auf Sendung und, so urteilt die Jury, der „Newcomer“ des Jahres. Das US-Vorbild „Rocketboom“ ist zwar unverkennbar, doch haben die Produzenten von Ehrensenf, sie sind erfahrene Fernsehleute, einen eigenen Stil entwickelt: Ehrensenf parodiert gekonnt das Nachrichtenfernsehen mit Meldungen, die aus den Tiefen des Web stammen. Die Moderation wirkt improvisiert, ist aber perfekt bis ins Detail. Katrin Bauerfeind setzt ihre Pointen lässig wie Harald Schmidt, mit dem sie auch die Herkunft aus dem Schwabenland teilt. Sie verbindet die Surftipps mit manchmal akrobatischen Überleitungen.

Design und Inhalt sind fein aufeinander abgestimmt. Die Videos sind flott geschnitten. Senftüte und Löwengebrüll im Vorspann machen Ehrensenf zu einer einprägsamen Marke. Die vorgestellten Angebote können die Zuschauer dank einer Linkliste später noch einmal in Ruhe nachsurfen.

Ehrensenf zeigt, wie ein originäres Internetformat aussehen kann, das die multimedialen und interaktiven Möglichkeiten des Mediums virtuos nutzt. Hier wird das Internet nicht zu einer zweiten Abspielstation für TV-Beiträge degradiert, wie es auf den Websites der Fernsehsender oft noch der Fall ist. Die Jury stimmte überein, dass hier (wieder einmal) der Beweis erbracht wird, dass nicht Geld, sondern Einfallsreichtum über Qualität im Internet entscheidet. So hinterlassen auch die Zuschauer begeisterte Kommentare: Ehrensenf – eine „extra scharfe“ Zugabe.