Grimme Online Award 2008

Die Preisträger

Kategorie WISSEN und BILDUNG

Kategorie KULTUR und UNTERHALTUNG

Kategorie SPEZIAL

PUBLIKUMSPREIS



Preisträger des Grimme Online Award INFORMATION



Störungsmelder

 

„Wir müssen reden. Über Nazis.“ Unter diesem Motto reden sie über Nazis – die zahlreichen Autoren des ZEIT-Weblogs „Störungsmelder“. 2007 initiierten das Jugendmagazin „ZEIT-Zuender“, das Popkultur-Portal „INTRO“, der Verein „Gesicht Zeigen!“ und die Agentur „WE DO“ gemeinsam mit den Moderatoren Markus Kavka, Ole Tillmann und Klaas Heufer-Umlauf das Online-Projekt gegen Rechtsextremismus. Seitdem wird hier regelmäßig über persönliche Erfahrungen mit Rechtsextremismus, aber auch über politische Strukturen und Hintergründe berichtet. Die hohe Anzahl und die inhaltliche Qualität der Kommentare machen deutlich, dass in diesem Blog ein Thema behandelt wird, über das nach wie vor geredet werden muss.

Preis verliehen für Initiative und Autorenschaft

Internetadresse: www.stoerungsmelder.org

Anbieter: ZEIT online GmbH

Verantwortliche Personen: Christian Bangel (Initiative), Matthias Hörstmann (Initiative), Stefanie Werner (Initiative), Rebecca Weis (Initiative), Boris Fust (Initiative), Claudia Brüninghaus (Initiative), Ole Tillmann (Autor), Markus Kavka (Autor), Klaas Heufer-Umlauf (Autor), Mathias Brodkorb (Autor), Patrick Gensing (Autor), Thomas Hitzlsperger (Autor)

Begründung der Jury

Das Weblog „Störungsmelder“ agiert als eine Art Watchblog für die Aktivitäten von Rechtsextremen und Rechtsradikalen in Deutschland. Das Blog zeichnet sich dabei durch eine sehr sachliche und journalistische Auseinandersetzung mit diesem wichtigen Thema aus. Die Beiträge gewähren einen tiefen Einblick in Hintergründe, Vielseitigkeit und Regionalität der rechten Szene in Deutschland. „Störungsmelder“ überzeugt sowohl durch eine hohe Aktualität als auch durch eine intensive Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Debatte.

Das Weblog schließt sich dabei nicht populistischen Argumentationen an, sondern bezieht auch selbst Stellung. Zudem gelingt es den Autoren, mit einer guten Moderation auch die bei diesem Thema häufig entgleitenden Diskussionen in den gut genutzten Kommentaren auf eine sachliche Ebene zu führen. 
Es passt zum Medium Internet, dass „Störungsmelder“ immer offen für neue Autoren ist und damit die Zahl der Störungsmelder stetig wachsen kann. In der konsequenten Umsetzung des Leitmotivs „Wir müssen reden – über Nazis“ stellen sich die Autoren auch für Schulen und öffentliche Diskussionen zur Verfügung. Damit folgt „Störungsmelder“ in besonderer Weise einer crossmedialen Strategie, die die Inhalte des Webs auf verschiedenen Wegen zugänglich macht. Das Angebot umfasst auch Hilfestellung für Opfer rechtsextremer Gewalt. 
„Störungsmelder“ nutzt für die Erstellung seiner Inhalte eine gewöhnliche Blog-Plattform. Die Präsentation der Inhalte mit den klassischen Elementen der Blogs ist reduziert auf elegante Schlichtheit und Übersichtlichkeit. Sie zeichnet sich durch eine gute Benutzerführung aus, die einen Zugriff über Regionen, Themen, Autoren oder Aktualität ermöglicht. Wünschenswert – aus Sicht der Jury – wäre dennoch eine stärkere Einbindung von multimedialen Elementen.

 
 



WDR MEDIATHEK regional

 

Seit Oktober 2007 bündelt die „WDR MEDIATHEK regional“ Audios und Videos aus NRW im Netz. Übersichtlich nach Regionen, Themen, Sendungen oder chronologisch sortierbar sind die Beiträge des WDR Fernsehens und Hörfunks online verfügbar und bieten so ein umfassendes Archiv mit NRW-spezifischen Informationen, auf das der Nutzer jederzeit Zugriff hat. Die kurzen Inhaltsbeschreibungen und die von der Redaktion gesetzten Themenschwerpunkte erleichtern die Orientierung innerhalb des barrierearmen Angebotes und verschaffen einen schnellen Überblick über die aktuellen Inhalte. Mit Bewertungs- und Kommentarfunktion können sich auch die Nutzer zu den Beiträgen äußern.

Preis verliehen für Konzept und Realisierung

Internetadresse: www.wdr-mediathek.de

Anbieter: Westdeutscher Rundfunk Köln

Verantwortliche Personen: Stefan Moll (Konzept), Christian Vogg (Realisierung), Marc Pohl, WDR mediagroup digital (Realisierung), Gregor Dupont, WDR mediagroup digital (Realisierung)

Begründung der Jury

Übersichtlich und angenehm schnörkellos – so präsentiert sich die „WDR MEDIATHEK regional“, die Video- und Audiobeiträge verschiedener Redaktionen bündelt. Die Bandbreite der kurzweiligen (in der Regel 3- bis 7-minütigen) Beiträge reicht von politischen, wirtschaftlichen, kulturellen bis hin zu Service- und Boulevard-Themen, die auch über ihre Tagesaktualität hinaus interessant und relevant sind. 
Auf den ersten Blick wird deutlich, dass dieses Angebot den Fokus auf die (Wieder-)Auffindbarkeit der Inhalte legt und nicht vornehmlich durch Masse überzeugen möchte. Geboten werden verschiedene Zugangsmöglichkeiten zu redaktionell ausgewählten Inhalten, die allesamt einfach und intuitiv zu nutzen sind: Die einzelnen Beiträge lassen sich nach Sendungen, Themen, Datum oder Regionen sortiert finden. Dabei kommen neben übersichtlichen Drop-down-Menüs eine Kalender- und eine Kartenansicht zum Einsatz. 

Erfreulich daran ist, dass die verschiedenen Zugangsmöglichkeiten nicht einfach losgelöst voneinander funktionieren: So wird jeder ausgewählte Beitrag im Kartenausschnitt „verortet“ und mit aktuellen Beiträgen aus der nächsten Umgebung angezeigt. Der regionale Bezug zieht sich hindurch bis zur „Tag Cloud“, die mit entsprechenden Schlagworten der jeweiligen Region bestückt ist. Aber auch thematisch Verwandtes oder weitere Beiträge aus dem gleichen Sendungskontext sind je nach Vorauswahl direkt sichtbar.

Die Nutzer können die einzelnen Beiträge bewerten, kommentieren, weiterempfehlen oder in einer Merkliste sammeln. Und natürlich lassen sich die Ergebnislisten nicht nur nach Aktualität, sondern auch nach Popularität (am häufigsten aufgerufen) und Qualität (am besten bewertet) sortieren. 
Das alles hört sich bekannt und wenig spektakulär an? Stimmt. Aber der konsequent auf die Nutzerbedürfnisse abgestimmte Einsatz der hier beschriebenen Features ist längst noch keine Selbstverständlichkeit im Web. Und genau das macht diese Mediathek auszeichnungswürdig: Eine vorbildliche Nutzerführung, eine aufgeräumte, ansprechende Gestaltung und eine klare redaktionelle Fokussierung bilden ein Archiv, in dem man als Nutzer gerne stöbert, ohne Gefahr zu laufen sich zu verlieren.

 
 



Preisträger des Grimme Online Award WISSEN und BILDUNG



kids-hotline

 

„Kids-hotline“ bietet eine umfangreiche Online-Beratung für Jugendliche. Ein ehrenamtliches Team professioneller Berater, unterstützt von einem fachlich betreuten „Peerteam“ jugendlicher Ansprechpartner, steht in vielen offenen, aber auch geschützten Foren für Einzelberatung und Chats den Jugendlichen in allen Fragen Rede und Antwort. Ob Freundschaft, Liebe, Familie oder Schule – über alle Themen gibt es mit großer Offenheit einen regen Austausch. Interessierte Jugendliche können auch selbst zu Mitarbeitern der „kids-hotline“ werden oder sich an gelegentlichen Projekten beteiligen. Die „kids-hotline“ wird vom gemeinnützigen Verein „Kinderschutz e.V.“ aus München getragen und bietet regionalen Beratungsstellen die Zusammenarbeit im Rahmen eines Netzwerks an.

Preis verliehen für Gesamtverantwortung und redaktionelle Betreuung

Anbieter: Kinderschutz e.V. München

Verantwortliche Personen: Norbert Blesch (Gesamtverantwortung), Emily M. Engelhardt (Gesamtverantwortung/ redaktionelle Betreuung), Triz Heider (redaktionelle Betreuung)

Internetadresse nicht mehr verfügbar

Begründung der Jury

Als Online-Beratung für Jugendliche widmet sich die stark besuchte „kids-hotline“ einer sozialen Verantwortung für junge Menschen im Übergang von der Kindheit zum Erwachsenwerden und berät sie in vielfältigen Problemsituationen. Die unterschiedlich privaten Schutzräume Forum, Chat und Einzelberatung beachten den Datenschutz und bieten inhaltliche Hilfe. Sie zeigen, dass es anderen genauso geht und man mit ihnen anonym kommunizieren kann, oder bieten Hilfe durch das ehrenamtliche Expertenteam, das die Anfragen individuell beantwortet.  

Da die Zielgruppe fast vollständig das Web nutzt und inzwischen intensiv Rat für ihre Probleme in Foren und Chats sucht, ist es nur konsequent und der Dialogfunktion des Mediums angemessen, im Web ein professionelles Hilfsangebot anzubieten. Kein anderes Medium leistet dies in solch passgenauer, effizienter und – trotz einer verpflichtenden Registrierung bei „kids-hotline“ – niedrigschwelliger Weise. 
Dass eine solche Beratungsstelle im Web nur mit hoher Verlässlichkeit, Kontinuität und mit großem Engagement sinnvoll ist, liegt auf der Hand – die „kids-hotline“ leistet dies in vorbildlicher Weise. So kann verziehen werden, dass das Design des Angebotes zu überarbeiten wäre. Genauso, dass es innerhalb der komplexen Forenstruktur schwierig ist, sich schon vor einem Chat oder einer Einzelberatung umfassend zu informieren. 

Erstmalig wird der Grimme Online Award an ein reines Beratungsangebot vergeben. Damit wird gezeigt, dass sich das publizistische Feld erweitert: Themen und Fragen werden von den Nutzern in hohem Maße selbst gesteuert. Gerade aufgrund dieser Nutzerorientierung entwickelt die Beratungsstelle „kids-hotline“ eine eigenständige und vorbildliche Funktion.

 

 

 
 



zeitzeugengeschichte.de

 

In fast 40 Zeitzeugen-Interviews dokumentiert das Web-Portal „zeitzeugengeschichte.de“ persönliche Erfahrungen aus der NS-Vergangenheit. Im Rahmen eines angeleiteten Projekts wurden die Interviews per Video und Audio von Jugendlichen aufgezeichnet und zu Themen-Clips für das Internet verarbeitet. So entstand – chronologisch, thematisch und nach Personen strukturiert – eine einzigartige Dokumentation noch vorhandener Lebenserinnerungen. Weitere interessierte Jugendliche bzw. Jugendgruppen werden zur Beteiligung eingeladen. Eine thematische Ausweitung des Portals ist ebenso geplant wie eine technische Optimierung der Videos.

Preis verliehen für Idee, Redaktion und Gesamtverantwortung

Anbieter: Metaversa e.V.

Verantwortliche Personen: Birgit Marzinka (Idee, Redaktion und Gesamtverantwortung)

Internetadresse: www.zeitzeugengeschichte.de

Begründung der Jury

Die Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte, insbesondere der des Dritten Reiches, erfordert einen sensiblen Umgang mit historischen Materialien, vor allem im Kontext des Internet. „Zeitzeugengeschichte.de“ ermöglicht Jugendlichen und Zeitzeugen, deren Erinnerungen gemeinsam und generationenübergreifend im Web zu dokumentieren und zu konservieren und somit subjektiv erlebte Geschichte lebendig zu vermitteln, nicht ohne gleichzeitig auf die Möglichkeiten und Risiken der Oral-History-Ansätze aufmerksam zu machen. Die Zeitzeugen finden dabei ein Forum in dem neuen Medium Web, das ihnen in der Regel kaum zugänglich ist. Die jungen Interviewer hingegen erarbeiten sich ein Stück Geschichte, was ihnen neben dem Erwerb von Medienkompetenz auch einen anderen Zugang zur Generation ihrer (Ur-)Großeltern bietet.  

Hinter der nicht mehr zeitgemäß wirkenden Fassade bietet „zeitzeugengeschichte.de“ verschiedene Zugänge zu den Berichten, die damit im Unterricht an Schulen, aber auch in anderen Projekten genutzt werden können. Denn die Bereitstellung der Inhalte unter einer Creative-Commons-Lizenz ermöglicht die Weiterverwendung ganz im Sinne des Web. Anders als bei vielen kommerziellen Angeboten werden „Walled Gardens“ vermieden und Partizipation wird nicht nur als Einbahnstraße verstanden. Durch die Öffnung dieses Gartens, der Freigabe der Inhalte, können weitere Gärten entstehen. Und da sich das Konzept von „zeitzeugengeschichte.de“ auch auf andere Abschnitte der Geschichte anwenden lässt, besteht hier ein großes Potenzial, die Auseinandersetzung mit Geschichte für viele Generationen lebendig werden zu lassen. 

Prämiert werden die Idee, die Redaktion und die Gesamtverantwortung dieses Angebots, das im Web eine vielschichtige Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte ermöglicht.

 
 



Preisträger des Grimme Online Award KULTUR und UNTERHALTUNG



Intro.de

 

Die Website zum monatlich erscheinenden Musikmagazin „INTRO“ geht weit über die gedruckten Inhalte hinaus. Mit den umfassenden Newsfeatures, dem Newsticker und einem zusätzlichen Redaktionsblog ist der User ständig aktuell informiert. Fast noch aktueller ist das Forum zur Website – eine gepostete Frage zur Popkultur wird hier meist innerhalb von Minuten beantwortet. Ein Archiv fundierter Musikrezensionen, Interviews mit Akteuren der Indie-Szene, Audios und Videos und Veranstaltungshinweise ergänzen die aktuellen Inhalte zur Musik. Zusätzlich bietet „Intro.de“ auch Features und Artikel zur Popkultur abseits der Musik: Film-, Spiele- und Buchtipps, Mode oder Kunstausstellungen sind genauso Thema des zielgruppengerechten Angebotes, das in allen Bereichen zum Mitmachen einlädt.

Preis verliehen für Konzept, Redaktion und Realisierung

Anbieter: INTRO GmbH & Co KG

Verantwortliche Personen: Matthias Fricke (Gesamtverantwortung/ Konzept), Peter Flore (Redaktion), Sandro Boege (Realisierung/ Programmierung), Holger Risse (Realisierung/ Gestaltung)

Internetadresse: www.intro.de

Begründung der Jury

Die Musikzeitschrift „INTRO“, die sich schwerpunktmäßig den Bereichen „Independent“ und „Alternative“ widmet, offeriert ein ausgezeichnet strukturiertes Web-Portal und überträgt die Qualität ihrer Marke ins Netz. In exemplarischer Weise nutzt „Intro.de“ die Webspezifik, um popmusikalische und popkulturelle Inhalte aufzubereiten. Hervorzuheben ist nicht allein die Vorbildlichkeit, wie man die Inhalte der Zeitschrift im Netz weiterführt und die Nutzer mit aktuellen Rezensionen, Audio-Video-Content oder Band-Infos versorgt, sondern ebenso die Community, die bei „Intro.de“ einen erfreulich hohen Stellenwert besitzt.  

Das stark frequentierte und mit cleveren Erweiterungen ausgestattete Forum zeichnet sich durch Lebendigkeit, Witz und popkulturelle Sachkenntnis aus, so dass hier der überstrapazierte Begriff des „User generated Content“ wirklich Sinn macht. Das geht so weit, dass zum Beispiel die popmusikalische Tagesaktualität im Forum häufig besser aufgehoben ist als im redaktionellen Teil, der sich dadurch u.a. audiovisuellem Content widmen kann. Und gleichzeitig bildet die Community der „Introiden“ ein rege genutztes soziales Netzwerk, das die Kommunikation über Gästebuch- und Nachrichten-Einträge innerhalb der Benutzerprofile realisiert. Die stringente Konzeption und kontextsensitive Integration der Web 2.0-Anwendungen – bei „Intro.de“ ein alter Hut – sind beispielhaft und werden permanent weiterentwickelt. 

Die Website bietet der musikinteressierten Zielgruppe das volle Programm: Videos, Audios, Live-Streams, Fotostrecken und Videoblogs werden benutzerfreundlich eingebunden und die Online-Redakteure zeigen sich angenehm pragmatisch – wenn es angebracht ist, werden externe Channels, Partner-Websites oder „YouTube“-Content eingebunden. 

Prämiert wird mit „Intro.de“ ein vorbildlich konzipiertes und realisiertes Portal, das der an Popkultur interessierten Zielgruppe ein breit gefächertes Spektrum bietet.

 
 



Literaturport

 

„Literaturport – Der Literaturhafen im Internet“ behandelt die Literatur der Region Berlin/Brandenburg auf und von allen Seiten: Über eine Karte können Orte gefunden werden, an denen Literatur stattfindet und die in der Literatur stattfinden, sowie Informationen zu historischen und zeitgenössischen Autoren. Eine Besonderheit ist hierbei, dass die zeitgenössischen Autoren die Einträge zu ihrer Person selbst verfasst haben. Mit zahlreichen Querverweisen, unter anderem zu O-Tönen von Autoren, eigenen weitergehenden Informationen – etwa zu Zeitgenossen des jeweiligen Autors oder literaturtheoretischen Texten, aber auch zu externen Datenbanken – zeichnet sich die Site als umfangreiches Rechercheinstrument aus. Und als besonderes Bonbon gibt es die „Literatouren“, in denen zwölf Berliner Autoren virtuell durch ihre Stadt führen.

Preis verliehen für Gesamtverantwortung, Gestaltung und Programmierung

Anbieter: Literarisches Colloquium Berlin, Brandenburgisches Literaturbüro Verantwortliche Personen: Ulrich Janetzki (Gesamtverantwortung), Peter Walther (Gesamtverantwortung), Claudia Schütze (Gesamtverantwortung), Steffen Kalauch (Gestaltung), Christof Rodejohann (Programmierung/Informationsarchitektur)

Internetadresse: www.literaturport.de

Begründung der Jury

Literaturvermittlung im Netz – noch immer erschöpft sich dieser Versuch zu oft darin, für Papier Geschriebenes auf dem Bildschirm zu reproduzieren. Mitunter kapitulieren Web-Projekte für Literatur auch vor der überbordenden Menge an Material. Der „Literaturport“ zeigt, dass es anders geht. Hier gelingt es, eine fokussierte, webgerecht konzipierte Schnittstelle zwischen Autoren und Lesern zu schaffen, von der beide Seiten gleichermaßen profitieren. 

Der „Literaturport“ bietet Schriftstellerinnen und Schriftstellern aus Berlin und Brandenburg einen kleinen, aber komfortabel ausgestatteten Liegeplatz im Web und öffnet deren Werke zugleich auf unkonventionelle Weise für interessierte Leser. Literatur lässt sich über Hörproben – oft vom Autor selbst gelesen – aus erschienenen wie unveröffentlichten Werken erschließen, vor allem aber auch geografisch: Auf Karten werden Orte mit literarischem Bezug, Beziehungen zwischen Werk und Autor lokalisiert – eine literarische Landschaftspflege mit hohem Erkenntniswert. Die gelungene Informationsarchitektur bietet Orientierung beim Stöbern, eine differenzierte Suchfunktion hilft bei der gezielten Recherche nach Autoren, Werken, Verlagen, Veranstaltungen. Schreibende finden ihrerseits eine Plattform, um sich und ihre Arbeit vorzustellen, und einen passgenau auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Service mit allen nötigen Informationen über Preise und Stipendien. 

Liebevoll umgesetzt ist die Idee der Literatouren: Zwölf Berliner Schriftstellerinnen und Schriftsteller laden zu Themen-Spaziergängen durch ihre Stadt in Text, Bild und Ton ein. Auch hier bietet die Verortung auf Karten nützlichen Mehrwert. 

In der geografischen Beschränkung auf die Region Berlin/Brandenburg sieht die Jury keine Schwäche – im Gegenteil. Der enge Fokus vermag den Raum zu schaffen, Informationen solide und detailreich aufzubereiten. Die geplante geografische Erweiterung der Inhalte, so hofft die Jury, sollte der Qualität keinen Abbruch tun. 

Einziger Wermutstropfen: Einige Bereiche der Website werden nicht in allen gängigen Browsern richtig dargestellt.

 
 



Preisträger des Grimme Online Award SPEZIAL



Hobnox.com

 

Das Unterhaltungsportal „Hobnox.com“ befindet sich noch in der Beta-Phase und zeigt schon jetzt, dass es sich hierbei nicht um eine bloße Konzeptidee handelt. Ziel ist es, digitale Medienkultur zu initiieren und zu fördern und weltweit die Kreativen mit ihren Zielgruppen zu verbinden. In verschiedenen Videochannels werden Konzerte, Interviews, Serien, Reportagen, Nachrichten und Informationen angeboten, webgerecht aufbereitet in einem ganz eigenen Stil. Die Community vernetzt Macher und Fans, um sich auszutauschen oder Partner für Projekte zu finden. Und damit sich die User auch selbst kreativ betätigen können, gibt es bereits Demo-Versionen der „Noxtools“, Werkzeugen zum Erstellen von eigenen Audios und Videos.

Preis verliehen für Idee und Gestaltung

Anbieter: Hobnox AG

Verantwortliche Personen: Alexander Gorny (Idee), Yousef Hammoudah (Idee), Andreas Jacobi (Idee), Oliver Wrede (Gestaltung)

Internetadresse: www.hobnox.com

Begründung der Jury

In der neu geschaffenen Kategorie Spezial können innovative und qualitativ herausragende Konzepte für neue Webentwicklungen ausgezeichnet werden. Und das genau ist „Hobnox.com“. Die Idee ist wegweisend: Der Begriff „Multimedia“ ist in Bezug auf „Hobnox.com“ keine Worthülse, sondern hier wird wirklich gezeigt, wie in der Zukunft Angebote für das breitbandige, konvergente Internet aussehen können. Die abwechslungsreiche Mischung aus nichtlinearen Video- und Audioformaten, Blogmodulen und Netzwerkelementen wird in ein redaktionell anspruchsvolles Umfeld eingebettet. Dies und die thematische Fokussierung auf „Musik, Film und urbane Kultur“ dienen als Motivation für Künstler und Medienschaffende, eigene Produktionen in „Hobnox.com“ einfließen zu lassen. 

Besonders herausheben möchte die Jury die sogenannten „Noxtools“ – ein Videoschnitt- Tool und eine webbasierte Software zum elektronischen Musizieren. Damit werden auch dem interessierten Normal-Nutzer Mittel angeboten, mit denen er direkt auf der Plattform gemeinsam mit anderen Nutzern Musik- und Videoinhalte einspielen kann. Noch funktioniert dies nur in einer Beta-Version, doch die Jury hofft, mit ihrer Auszeichnung diese Entwicklung zu unterstützen. 

Und prämiert wird die Gestaltung: Das Design trägt entscheidend zum positiven Gesamteindruck bei, von der Navigation bis hin zu den aufwändigen Trailern und der brillanten Qualität der Videos. 

Aber „Hobnox.com“ ist noch im Werden. Noch ist es im Beta-Stadium, nicht alle Funktionen stehen in vollem Umfang zur Verfügung, einige Inhalte gibt es noch nicht auf Deutsch und die multimedialen Inhalte sind selbst für DSL-Nutzer noch sehr bandbreitenintensiv. Insofern steht die Prämierung vor allem für die Würdigung des Konzepts und die zukunftsweisende Idee.

 
 



Preisträger des Grimme Online Award PUBLIKUMSPREIS



Sandra Schadek – ALS

 

Sandra Schadek berichtet über die tödlich verlaufende Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) – aus der Sicht einer Betroffenen. Die regelmäßige Aktualisierung ihrer Website kostet sie aufgrund ihrer Erkrankung viel Zeit und Mühe. Und doch gelingt es ihr, Texte zu verfassen, die auch Außenstehende interessieren, Wissen über die seltene Krankheit vermitteln und ihre Lebensfreude ausdrücken. Das klar strukturierte und schlicht gehaltene Web-Angebot steht exemplarisch für die Möglichkeiten, die das Internet bietet, direkt und ohne Mittler Informationen zu verbreiten, die sonst möglicherweise nie den Weg an die Öffentlichkeit gefunden hätten.

Gesamtverantwortung: Sandra Schadek

Layout und Realisierung: Detlef Soodmann, Wavetool – Internet & Serviceagentur

Internetadresse: www.sandraschadek.de