Grimme Online Award 2020

Die Preisträger

Kategorie KULTUR und UNTERHALTUNG

Kategorie SPEZIAL

PUBLIKUMSPREIS



Preisträger des Grimme Online Award INFORMATION



Das Coronavirus-Update

 

Preis verliehen für Entwicklung, Redaktion, Moderation und Wissenschaftsvermittlung


Internetadresse:
ndr.de/coronaupdate

Anbieter:
Norddeutscher Rundfunk

Verantwortliche Personen:

Christian Drosten (Wissenschaftsvermittlung)
Adrian Feuerbacher (Redaktion)
Norbert Grundei (Entwicklung)
Korinna Hennig (Redaktion, Moderation)
Aline König (Entwicklung)
Johanna Leuschen (Entwicklung)
Katharina Mahrenholtz (Redaktion)
Anja Martini (Moderation)

Begründung der Jury:

Der Podcast „Das Coronavirus-Update“ ist außerordentlich beliebt und wurde von vielen Einreicher*innen vorgeschlagen. Aber: Vergeben wir einen Preis für Popularität? Prämieren wir Erfolg oder gar Prominenz von Prof. Dr. Christian Drosten? Diesen Fragen musste sich die Jury stellen. Doch schnell war klar, dass der NDR-Podcast allein aus publizistischen Gründen preiswürdig ist.
Das Redaktionsteam hat zu einem sehr frühen Zeitpunkt entschieden, das Thema Corona wissenschaftlich und zugänglich zugleich aufzubereiten. Es wurde ein Experte ausgewählt, der genau dies zu bewerkstelligen weiß und der zu diesem Zeitpunkt einer breiten Öffentlichkeit noch nicht bekannt war. Das Format des Interviews verlangt es, sich intensiv mit der Faktenlage und den aktuellsten Veröffentlichungen zu beschäftigen und die richtigen Themenkomplexe in Fragen zu übersetzen. Getrieben von der Erkenntnis, dass täglich neues Wissen generiert wird und der Informationsbedarf kontinuierlich wächst.
Im Podcast entsteht ein geschützter Gesprächsraum, der es Christian Drosten ermöglicht, sich ausführlich zu äußern, ohne dass seine Aussagen zugespitzt oder verkürzt werden. Im Gegenteil, die Gesprächspartner*innen suchen die Faktenausarbeitung und haben auch keine Angst, das Publikum punktuell zu überfordern. Wer noch tiefer einsteigen will, kann eigene Fragen einreichen, das Glossar und die Linklisten auf der Website nutzen und in den transkribierten Episoden per Volltextsuche recherchieren.
„Das Coronavirus-Update“ demonstriert, dass auch ausführlicher Wissenschaftsjournalismus das Publikum fesseln kann – und erschließt ganz nebenbei neue Hörergruppen für das Medium Podcast.

Beschreibung:

Seit der Podcast „Das Coronavirus-Update“ am 26. Februar 2020 vom NDR gestartet wurde, hat er sich zu einer Instanz für viele Hörer*innen entwickelt. Mehrmals die Woche sprechen Korinna Hennig und Anja Martini mit dem Virologen Christian Drosten über die jüngsten Entwicklungen der Corona-Krise. Dabei gibt der Podcast dem Wissenschaftler ausreichend Raum, um über aktuelle Studien, Symptome oder mögliche Gegenmaßnahmen zu sprechen – und um sich aufgrund neuer Entwicklungen auch zu korrigieren.

 
 



NSU-Watch

 

Preis verliehen für kontinuierliche Teamleistung

 

Internetadresse:
nsu-watch.info

Anbieter:
antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e.v. (apabiz)

Verantwortliche Personen:
Caro Keller (Redaktion)
Ulli Jentsch (Koordination)
Zahlreiche Autor*innen aus dem Netzwerk und darüber hinaus

 

Begründung der Jury:

„NSU-Watch“ lebt herausragend vor, was lebendige, wache und engagierte zivilgesellschaftliche Organisationen mittels des Internets in der Lage sind zu tun: Missstände beständig festhalten und die Öffentlichkeit transparent darüber informieren.
Seit 2013 beobachtet und dokumentiert das Weblog „NSU-Watch“ detailliert und kritisch den NSU-Prozess sowie die parlamentarischen Untersuchungsausschüsse zum Nationalsozialistischen Untergrund auf Länder- und Bundesebene. Damit schafft es für die Gegenwart und Nachwelt ein umfassendes Archiv rund um den wichtigsten Strafprozess gegen Neonazis seit der Wiedervereinigung und einen der größten Skandale des Verfassungsschutzes. Ein Fall jedoch, der politisch und juristisch bislang weder hinreichend aufgeklärt, noch aufgearbeitet worden ist. Deshalb liegt die herausragende Leistung von „NSU-Watch“ auch in der Beständigkeit. Mittels unterschiedlicher Social-Media-Kanäle und Podcasts informiert es kontinuierlich über die Arbeit der Ausschüsse, schafft aber auch Aufmerksamkeit für andere, weniger prominente Fälle rechtsextremer Gewalt und von Rechtsterrorismus. Denn der Terror des NSU und seiner Netzwerke ist keineswegs vorbei, wie der Mord an Walter Lübcke und der Anschlag in Hanau zeigen.
Ein großer Kreis von Akteur*innen erbringt für „NSU-Watch“ eine Dokumentationsleistung, für die in dieser Kontinuität und Tiefe sonst in den Medien kein Platz ist. So ist es zu einer verlässlichen Informationsquelle für Medienschaffende wie interessierte Bürger*innen geworden.

Beschreibung:

Seit 2012 gibt es „NSU-Watch“, das Team hat den Prozess gegen die Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund begleitet und Protokolle der Prozesstage online gestellt. Die Journalist*innen und Wissenschaftler*innen verschiedener Organisationen recherchieren aber auch seitdem weiter und erstellen Analysen, einen Podcast, berichten über Untersuchungsausschüsse, andere Prozesse oder über die rechte Szene insgesamt. Damit sorgen sie seit Jahren dafür, dass dieses wichtige Thema nicht in Vergessenheit gerät.

 
 



STRG_F

 

Preis verliehen für Redaktion, Autorenschaft und Umsetzung

 

Internetadresse:
go.funk.net/strg_f

Anbieter:
funk / Norddeutscher Rundfunk

Verantwortliche Personen:

Aimen Abdulaziz-Said (Autorenschaft)
Lutz Ackermann (Redaktion)
Manuel Daubenberger (Autorenschaft)
Christian Deker (Autorenschaft)
Johannes Edelhoff (Autorenschaft)
David Diwiak (Umsetzung)
Max Engel (Autorenschaft)
Désirée Marie Fehringer (Autorenschaft)
Julian Feldmann (Autorenschaft)
Kira Gantner (Autorenschaft, Umsetzung)
Lisa Maria Hagen (Autorenschaft, Umsetzung)
Sebastian Heidelberger (Autorenschaft)
Simone Horst (Autorenschaft)
Alena Jabarine (Autorenschaft)
Nadia Kailouli (Autorenschaft)
Jasmin Klofta (Redaktion) 
Willem Konrad (Autorenschaft)
Gunnar Krupp (Redaktion, Autorenschaft)
Pia Lenz (Autorenschaft)
Jan Littelmann (Umsetzung)
Inga Mathwig (Autorenschaft)
Felix Meschede (Autorenschaft, Umsetzung)
Aaron Moser (Autorenschaft)
Mariam Noori (Autorenschaft)
Anna Orth (Redaktion)
Han-Ul Park (Autorenschaft)
Bine Pufal (Umsetzung)
Claudia Qualmann (Umsetzung)
Carla Reveland (Autorenschaft)
Tim Rieckmann (Umsetzung)
Timo Robben (Autorenschaft)
Christian Salewski (Autorenschaft)
René Schaar (Umsetzung)
Patrizia Schlosser (Autorenschaft)
Jonas Schreijäg (Autorenschaft)
Nino Seidel (Autorenschaft)
Dietmar Schiffermüller (Redaktion)
Thorsten Wenning (Umsetzung)
Henning Wirtz (Umsetzung)
Salome Zadegan (Redaktion)
Tobias Zwior (Autorenschaft)

Mitwirkende:

Charlotte Bogo (Community-Management)
Maximilian Klein (Grafik)
Stefan Spiegel (Partner-Management funk)
Dörte Stein (Grafik)
Nora Wehrhahn (Produktion)

 

Begründung der Jury:

Das digitale Reportageformat „STRG_F“ des NDR begeistert ein junges Publikum für investigativen Journalismus und zeichnet sich durch transparente, professionelle Rechercheprozesse und ein hervorragendes Gespür für interessante und herausfordernde Themen aus.
Dabei gehen die Autor*innen immer wieder an ihre persönlichen Grenzen, zeigen Risikobereitschaft, sind nah dran an ihren Protagonist*innen, tief in ihren Recherchethemen und reflektieren ihre eigene Rolle. Sie kritisieren und verändern sich, gewinnen Einsichten oder werfen neue Fragen auf. Sie bewegen sich zwischen Unterhaltung und Ernst, professioneller Distanz und menschlicher Nähe, dem Drang nach Objektivität und dem Bewusstsein für die eigene Subjektivität, der Neugier für Extremsituationen und dem Respekt vor den Grenzen jener, für die diese Extreme Alltag und Normalität sind. Sie blicken dabei in menschliche Abgründe, halten der Gesellschaft einen Spiegel vor und schauen da hin, wo es weh tut.
Die Macher*innen von „STRG_F“ überzeugen durch offene und experimentelle Formate, Kontinuität, die Themenvielfalt, die Interaktion und Nähe zum Publikum, das sie nicht belehren, sondern mit dem sie eigene Zweifel teilen. Mindestens genauso beeindruckend sind die sichtbare Entwicklung über die vergangenen zwei Jahre seit dem Start des Formats und vor allem die plattformgerechte Art und Weise, mit der das Team ernste, herausfordernde, komplexe Themen einem breiten und jungen Publikum zugänglich macht.

Beschreibung:

Spannervideos auf Toiletten, eine Exklusivreportage von der „Sea-Watch 3“ oder die Fake Pranks von Joko und Klaas: Beim funk-Angebot „STRG_F“ wird investigativ recherchiert – und die Recherche ist selbst Teil der Reportage, was zugleich die Methoden der Journalist*innen vermittelt. Wöchentlich werden auf dem YouTube-Kanal Videos veröffentlicht, die nicht nur eine junge Zielgruppe ansprechen. Dabei sind die Autor*innen im Austausch mit der Community und binden sie auch in die Recherchen ein.

 
 



Preisträger des Grimme Online Award WISSEN und BILDUNG



Die Spende

 

Preis verliehen für Autorenschaft

 

Internetadresse: stern.de/organspende

Anbieter: stern.de GmbH

Verantwortliche Personen:

Dominik Stawski (Autorenschaft)
Patrick Junker (Autorenschaft)

Mitwirkende:

Arne Daniels (Redaktion)
Vladislav Estrin (Grafik)
Dagmar Gassen (Redaktion)
Cornelia Haller (Dokumentation)
Stephanie Harke (Bildredaktion)
Per Rabe (Web-Entwicklung)
Patrick Rösing (Redaktion, technische Umsetzung)
Florian Saul (Videoschnitt)

 

Begründung der Jury:

Schon der Einstieg ist drastisch und vermittelt die Intensität des Themas: ein schlagendes Herz in einer Plastikbox. Es geht wortwörtlich um Entscheidungen über Leben und Tod.
Autor Dominik Stawski und Fotograf Patrick Junker liefern mit „Die Spende“ eine herausragende Reportage ab. Über Monate begleiten sie das Leben eines Herzpatienten und nutzen diesen in die Tiefe gehenden Erzählstrang immer wieder, um auch in die Breite zu gehen und das komplexe Thema Organspende aus allen wesentlichen Perspektiven zu beleuchten.
Die Form der Reportage als Longread zeigt zudem, dass dieses Format sich noch nicht überholt hat. Gliederung und Darstellung des Textes und die vorhandene Navigation innerhalb des Artikels machen das Lesen auch am Bildschirm leicht. Dabei steht der Text nie allein, sondern wird von eindrucksvollen Fotos begleitet, die nicht in Konkurrenz zum Text stehen – beides stärkt sich gegenseitig in der Wirkung. Hinzu kommen kurze Videos, die ein noch tieferes Eindringen in die Problematik ermöglichen.
Das Thema lässt die Leser*innen nicht los – und hat auch die Autoren nicht losgelassen. Ein halbes Jahr nach dem ersten Erscheinen wurde die Reportage noch erweitert, auch das zeichnet dieses Angebot vor vielen anderen aus.
„Die Spende“ ist eine dramaturgisch herausragende Reportage, die zudem die Möglichkeiten des Mediums Website optimal zu nutzen versteht. Bei aller Emotionalität des Themas gelingt es, eine Geschichte zu erzählen, ohne übergestülpte Didaktik oder moralische Aufforderungen.

Beschreibung:

Es gibt zu wenig Organspenden. Das ist ein abstraktes Problem, bis man selbst oder eine nahestehende Person ein Organ benötigt. Der „Stern“ begleitet für die Multimedia-Reportage „Die Spende“ den herzkranken Familienvater Gerd auf dem Weg zum Spenderorgan. Zusätzlich wird über die Organspende-Datenbank informiert, mit dem Vater eines Organspenders gesprochen und es gibt einen genauen Einblick in den Ablauf und die Operationen bei einer Organspende. So weckt „Die Spende“ Aufmerksamkeit für ein drängendes Thema.

 

 

 
 



Eigensinn im Bruderland

 

Preis verliehen für Konzeption, Redaktion und Gestaltung

 

Internetadresse:
bruderland.de

Anbieter:
Zentrum für Antisemitismusforschung TU Berlin / out of focus medienprojekte

Verantwortliche Personen:

Susanne Beer (Gestaltung)
Isabel Enzenbach (Konzeption, Redaktion)
Tine Fetz (Gestaltung)
Alex Heinze (Gestaltung)
Mai-Phuong Kollath (Konzeption)
Julia Oelkers (Konzeption, Redaktion)
Dagmar Weiß (Gestaltung)

Mitwirkende:

Arne Janssen (Kamera)
Line Kühl (Kamera)
Lars Maibaum (Kamera)
Gustav Pursche (Technische Konzeption, Umsetzung)
Thomas Walther (Kamera)

 

Begründung der Jury:

Der 30. Jahrestag des Mauerfalls war auch online ein bestimmendes Thema. Unter den vielen Angeboten, welche die deutsch-deutsche Geschichte behandeln, sticht eine Webdokumentation besonders heraus: „Eigensinn im Bruderland“ behandelt einen weitgehend unbekannten Teil der ostdeutschen Geschichte.
Die Sichtweise von Migrant*innen, die vorwiegend als Vertragsarbeiter*innen aus Äthiopien, Chile, Mosambik oder Vietnam von der DDR angeworben wurden, eröffnet eine neue, ganz andere Perspektive auf ein Stück Zeitgeschichte. Informationen zu vermitteln und dabei zu unterhalten – das gelingt dem thematisch breit aufgefächerten Angebot hervorragend. Nicht didaktisch, sondern sehr eingängig wird hier eine Migrationsgeschichte erlebbar, indem viele persönliche Einzelgeschichten eingebunden und dokumentiert werden, ergänzt von Hintergründen, Literatur und Aktenhinweisen. Das ist spannend aufbereitet und bleibt bei den Leser*innen hängen. Die vielfältige Webdoku überzeugt durch ihre einzigartige Aufbereitung. Anspruchsvoll umgesetzt und mit multimedialen Elementen versehen, schafft sie es sehr leserfreundlich, übersichtlich und facettenreich alle Lebensbereiche der Migrant*innen zu beleuchten und die teils sehr schwierigen Bedingungen offenzulegen. Die Mischung aus kuriosen Archiv-Fundstücken, seltenen Bildern, kurzweiligen Interview-Videos und liebevoll animierten Illustrationen macht „Eigensinn im Bruderland“ zu einer Web-Dokumentation, die zeigt, wie interessant und nahbar Geschichte vermittelt werden kann.

Beschreibung:

Die Geschichte der Vertragsarbeiter*innen, der ausländischen Studierenden und der politischen Emigrant*innen in der DDR wurde viel zu wenig erzählt. Sie kamen aus Vietnam, Mosambik, Angola oder Kuba mit der Hoffnung auf eine gute Zukunft – die leider zu oft enttäuscht wurde. „Eigensinn im Bruderland“ bietet mit Texten und Videos einen persönlichen Einblick in die damalige Lebenswelt der Migrant*innen in der DDR zwischen strikten Wohnheimregeln, ungerechter Bezahlung und offener Ausländerfeindlichkeit.

 

 

 
 



RomArchive

 

Preis verliehen für Idee, Kuration und Gestaltung

 

Internetadresse:
romarchive.eu

Anbieter:
Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma

Finanzielle Förderung:
Kulturstiftung des Bundes, Bundeszentrale für politische Bildung, Auswärtiges Amt, Goethe-Institut

Verantwortliche Personen:

Thomas Acton (Kuration)
Pedro Aguilera Cortés (Kuration)
Katalin Bársony (Kuration)
Gerhard Baumgartner (Kuration)
Susanne Beer (Gestaltung)
Nicoleta Bitu (Kuration)
Isaac Blake (Kuration)
Klaus-Michael Bogdal (Kuration)
Ethel Brooks (Kuration)
Ágnes Daróczi (Kuration)
Merfin Demir (Kuration)
Beate Eder-Jordan (Kuration)
Felix Endruweit (Gestaltung)
Karola Fings (Kuration)
Petra Gelbart (Kuration)
Jan Gerber (Gestaltung)
Jana Horváthová (Kuration)
Zeljko Jovanovic (Kuration)
Tímea Junghaus (Kuration)
Jürgen Keiper (Gestaltung)
Angéla Kóczé (Kuration)
Laura Maikowski (Gestaltung)
Pierre Maite (Gestaltung)
Oswald Marschall (Kuration)
Anna Mirga-Kruszelnicka (Kuration)
Gonzalo Montaño Peña (Kuration)
Moritz Pankok (Kuration)
Isabel Raabe (Idee)
André Raatzsch (Kuration)
Claudia Relota (Gestaltung)
Dragan Ristic (Kuration)
Romani Rose (Kuration)
Riccardo M. Sahiti (Kuration)
Franziska Sauerbrey (Idee)
Jan Selling (Kuration)
Erik Stein (Gestaltung)
Anna Szász (Kuration)
Miguel Ángel Vargas (Kuration)
Zoni Weisz (Kuration)

Mitwirkende:

Michael Baute (Übersetzung ins Deutsche)
Michael Ebmeyer (Übersetzung ins Deutsche)
Christoph Erlenkamp (Übersetzung ins Deutsche)
Claudia Fuchs (Übersetzung ins Deutsche)
Mina Lunzer (Übersetzung ins Deutsche)
Dominikus Müller (Übersetzung ins Deutsche)
Jennifer Sophia Theodor (Lektorat deutsche Texte)
Denhart von Harling (Öffentlichkeitsarbeit)
Tina Wessel (Lektorat deutsche Texte)

 

Begründung der Jury:

Wegsehen ist ein Akt der Segregation. Sinti und Roma gehören nach wie vor zu den Volksgruppen, die systematisch einer solchen absichtsvollen Unsichtbarkeit ausgesetzt werden. Das „RomArchive“ setzt dieser Unsichtbarkeit auf künstlerisch inspirierende, informative und wissenschaftlich fundierte Art die Präsentation einer vielfältigen und reichhaltigen Kultur entgegen – und beschämt alle, die Sinti und Roma aus Mitleid oder klammheimlicher Abneigung in die Rolle der ewigen Opfer zu drängen versuchen.
„Roma Silen Dunya Formati“ – „Roma haben Weltformat“, zitiert das „RomArchive“ das „1. Roma Manifest“, eine Plakataktion des Schweizer Roma-Künstlers RR Marki. Das „RomArchive“ beweist dies eindrücklich, mit zahllosen Werken aus bildender Kunst, Literatur, Tanz, Film, Theater und Musik, und immer wieder eloquent mit einordnender Theorie.
Manches bleibt Außenstehenden vielleicht fremd, aber je mehr man sich hier bewegt, desto mehr entsteht genuin empfundener Respekt und ein schmerzlicher Blick in das, was durch strukturellen Rassismus behindert wird. Für staunende Nutzer*innen ist dieses Archiv ein wertvoller Steinbruch, in dem man sich verlieren kann, der immer aufs Neue verzaubert. Wenn es einem zu viel zu werden droht, wird man von den Macher*innen an die Hand genommen und in kuratierten Touren durch den Reichtum dieser Schatzkammer hindurchgeführt. Nie jedoch wird man sich bequem zurücklehnen und sagen können: „Jetzt weiß ich Bescheid!“

Beschreibung:

Zwischen Magazin und elaboriertem Archiv macht das „RomArchive“ die Künste und Kulturen der Sinti und Roma sichtbar. In zehn thematisch unterteilten Bereichen finden sich etwa 5.000 Objekte und Artikel, so miteinander verknüpft, dass sich die Nutzer*innen darin verlieren können. Als internationales und mehrsprachiges, von Sinti und Roma erstelltes Projekt bestärkt es die Minderheit und ist Wissensquelle für die Mehrheitsgesellschaft. So begegnet dieses einzigartige Angebot Stereotypen und Vorurteilen mit Fakten.

 
 



Preisträger des Grimme Online Award KULTUR und UNTERHALTUNG



Karakaya Talk

 

Preis verliehen für Formatentwicklung, Moderation, Redaktion und Produktion

 

Internetadresse:
go.funk.net/karakayatalk

Anbieter:
funk / Westdeutscher Rundfunk

Verantwortliche Personen:

Atilla Akgül (Produktion)
Nilgün Akinci (Produktion)
Cem Bozdogan (Redaktion)
Elliot Bursch (Produktion)
Yoel Díaz Vazquez (Produktion)
Alena Dörfler (Redaktion)
Nadège Fundschler (Redaktion)
Sebastian Göllner (Redaktion)
Stephanie Gotzel (Produktion)
Helena Grüneberg (Redaktion)
Ilayda Kaplan (Redaktion)
Esra Karakaya (Formatentwicklung, Moderation, Redaktion)
Rea Mahrous (Redaktion)
Bojan Novic (Produktion)
Patryk Puchalski (Produktion)
Ramona Schipler (Produktion)
Elke Thommessen (Redaktion)
Jessica Türk (Redaktion)
Daniela Woytewicz (Formatentwicklung)

 

Begründung der Jury:

„Karakaya Talk“ von funk mit Gastgeberin Esra Karakaya ist mehr als eine klassische Talkshow. Das Team hinter dem Format identifiziert gekonnt, was die Menschen in ihrer Community bewegt und formuliert daraus passende Themen und Fragen. Community-Arbeit steht hier an hoher Stelle, denn das Projekt will Stimmen hörbar machen, die sonst nicht gehört werden.
Die Perspektiven und Hintergründe der Gäst*innen sind dementsprechend vielfältig, die Diskussionen lebendig und gleichzeitig von Empathie und gegenseitigem Respekt geprägt. Leitend ist dabei die einfühlsame Gesprächsführung der Gastgeberin. Statt scharfer, zynischer Debatten dominieren offene, zugewandte Gespräche die Diskussionskultur dieser Sendung. Durch die Erklärung von Fachbegriffen bleibt sie inklusiv und für jede*n zugänglich. Die Redaktion greift Feedback und Kritik aus den Communities auf, reflektiert die eigene Arbeit, gesteht Fehler ein, zeigt sich immer wieder lernwillig und entwickelt sich so stetig weiter.
Die Art der Produktion wirkt durch Design, Schnitt und Kamera angenehm frisch, innovativ und modern. Die Sendung ist kurzweilig und unterhaltend, aber nie belanglos. Der Fokus liegt weniger auf der reinen Informationsvermittlung und mehr auf dem Diskurs und der Abbildung einer Subkultur von Menschen, die medial unterrepräsentiert sind. Auch darum wird „Karakaya Talk“ in der Kategorie Kultur und Unterhaltung ausgezeichnet.
Esra Karakaya lädt ihre wunderkrassen Gäst*innen auf einen Cay ein und heraus kommt ein außergewöhnliches und diverses Talk-Format mit Vorbildcharakter.

Beschreibung:

Real Talk mit viel Tee am Küchentisch: Auf dem funk-YouTube-Kanal „Karakaya Talk“ mit Gastgeberin Esra Karakaya geht es nicht um möglichst gegensätzliche Pole, sondern um eine tragende Diskussion. In jeweils zwei Videos mit unterschiedlichen Schwerpunkten werden oft Themen behandelt, die sonst selten in den Medien vorkommen. Zu Gast sind dabei niemals die „üblichen Verdächtigen“, sondern überwiegend People of Color, die ihre Sichtweise einbringen und so den Horizont der Zuschauer*innen erweitern.

 
 



Preisträger des Grimme Online Award SPEZIAL



Die Zerstörung der CDU

 

Preis verliehen für Idee und Umsetzung

Internetadresse:
youtube.com/watch?v=4Y1lZQsyuSQ

Verantwortliche Person:
Rezo (Idee und Umsetzung)

 

Begründung der Jury:

Nein, er hat die CDU nicht zerstört mit seinem… ja was denn nun eigentlich? Journalismus? Aktivismus? Kontrollierten Wutausbruch? Rant? Egal: Rezos YouTube-Video über die Widersprüche der herrschenden Politik war das herausragende Online-Ereignis des Jahres. Auf spektakuläre Weise knackte er die Wagenburg der politischen Kommunikation und ließ hunderttausende seiner Follower*innen hinein ins Zentrum der Macht. Denn mit verblüffend einfachen, aber professionellen Mitteln provozierte Rezo hilflose Reaktionen des überraschten Politikapparats, die das Video erst so richtig zum nationalen Ereignis machten.
„Die Zerstörung der CDU“ ist eine brachiale zivilgesellschaftliche Intervention, deren Stärke der leidenschaftlich wirkende Auftritt Rezos in Kombination mit einer Fülle dokumentierter Quellen ist. Im Gestus der atemlosen Aufklärung entwickelt Rezo, unterstützt durch schnelle Schnitte, Politiker*innen-Zitate und eingängige Grafiken, einen argumentativen Sog, in dem auch seine eigenen kleinen Widersprüche für den Moment verschwinden.
Der eigentliche Wert der „Zerstörung der CDU“ besteht in der hochfrequenten Rezeption über alle Medienkanäle und Generationen hinweg. Ausgelöst durch dieses Video wurde intensiv wie selten zuvor über Vortrag und Wirkung der regierenden Politik, aber auch der Medien diskutiert. Rezo selbst beteiligte sich daran und reagierte durchaus besonnen auf Kritik an der emotionalisierenden Form seines Auftritts. Eine Intervention aus dem vermeintlich unpolitischen Off mit Langzeitwirkung, die mehr aufbaut als zerstört.

Beschreibung:

Schlagartig wurde im Mai 2019 Politiker*innen und Journalist*innen die Relevanz von YouTube klar. Auslöser war das Video „Die Zerstörung der CDU“, in dem Rezo mit einem 13-seitigen Quellenverzeichnis die Politik von CDU, CSU, SPD und AfD kritisierte. Mit diesem inzwischen über 17 Millionen Mal geklickten Video führte Rezo politische Themen und Kenntnisse zur Quellenrecherche an eine junge Zielgruppe heran. Gleichzeitig löste er eine intensive Debatte in politischen sowie journalistischen Kreisen aus.

 
 



Preisträger des Grimme Online Award PUBLIKUMSPREIS



Das Coronavirus-Update

 

Seit der Podcast "Das Coronavirus-Update" am 26. Februar 2020 vom Norddeutschen Rundfunk gestartet wurde, hat er sich zu einer Instanz für viele Hörer*innen entwickelt. Mehrmals die Woche sprechen Korinna Hennig oder Anja Martini mit dem Virologen Christian Drosten über die jüngsten Entwicklungen der Coronakrise. Dabei gibt der Podcast dem Wissenschaftler ausreichend Raum, um über aktuelle Studien, Symptome oder mögliche Gegenmaßnahmen zu sprechen – und um sich aufgrund neuer Entwicklungen auch zu korrigieren.

Anbieter: Norddeutscher Rundfunk
Idee: Norbert Grundei
Hosts: Korinna Hennig, Anja Martini
Gesprächspartner: Christian Drosten (Institut für Virologie, Charité)
Redaktion: Korinna Hennig, Katharina Mahrenholtz
Entwicklung, Launch: Norbert Grundei, Aline König, Johanna Leuschen (NDR Audio Lab "Think Radio")
Chefredaktion: Adrian Feuerbacher

Internetadresse: ndr.de/coronaupdate