Grimme Online Award 2021

Die Preisträger

Kategorie WISSEN und BILDUNG

Kategorie KULTUR und UNTERHALTUNG

PUBLIKUMSPREIS



Preisträger des Grimme Online Award INFORMATION



190220 - Ein Jahr nach Hanau

 

Preis verliehen für Moderation und Redaktion

 

Internetadresse: spotify.com/hanau

Anbieter: Spotify Studios

Verantwortliche Personen:
Viola Funk (Redaktion)
Alena Jabarine (Moderation, Redaktion)
Sham Jaff (Moderation, Redaktion)
Seyda Kurt (Redaktion)

Mitwirkende:
Bazzazian (Musik, Sounddesign)
Davide Bortot (Ausführender Produzent)
David Georgi (Fact Checking)
Saruul Krause-Jentsch (Herstellungsleitung)
Daniel Nikolaou (Ausführender Produzent)
Boris Rogowski (Musik, Sounddesign)
Jan Philipp Wilhelm (Ton, Schnitt)
Isabel Woop (Ton, Schnitt)


Begründung der Jury: Am 19. Februar 2020 ereignete sich in Hanau eines der größten rechtsextremen Attentate der Nachkriegszeit. Neun Menschen wurden ermordet: Ferhat Unvar, Mercedes Kierpacz, Sedat Gürbüz, Gökhan Gültekin, Hamza Kurtovic, Kaloyan Velkov, Vili Viorel Paun, Said Nesar Hashemi und Fatih Saracoglu. Weil der Attentäter tot ist, wird es keinen strafrechtlichen Prozess geben – und so bleiben zentrale Fragen unbeantwortet. Eindringlich widmet sich der Podcast „190220 – Ein Jahr nach Hanau“ genau diesen Fragen und legt damit den Finger in eine klaffende Wunde dieser Gesellschaft: Wie konnte es überhaupt so weit kommen? Hätte die Tat verhindert werden können? Und: Welche Verantwortung tragen die Sicherheitsbehörden? Herausragend sind die berührenden Gespräche, die die Journalistin Alena Jabarine mit Angehörigen und Überlebenden vor Ort führt, ohne je voyeuristisch zu werden. Sie sind bewegend und respektvoll, informativ und sachlich. Eine journalistische Glanzleistung. Umrahmt werden die Gespräche, in denen Ermordete wie Hinterbliebene Profil gewinnen, über sechs Episoden durch Host Sham Jaff, die die Ereignisse mithilfe von Interviews mit Expert*innen in einen größeren Kontext einordnet und dabei dennoch auch als Person nahbar bleibt. Begleitet von einem ruhigen Sounddesign zeichnet der Podcast „190220 – Ein Jahr nach Hanau” sanft, präzise und stark zugleich die Folgen eines Attentats nach, das nicht nur Kreise in den Leben der Überlebenden, der Angehörigen und in der Stadt zieht, sondern in der gesamten Gesellschaft.

Beschreibung:
Am 19. Februar 2020 wurden neun Menschen von einem Rechtsextremisten ermordet. Ein Jahr nach dem rassistisch motivierten Attentat fährt Reporterin Alena Jabarine für den dokumentarischen Spotify-Podcast "190220 – Ein Jahr nach Hanau" an den Tatort. Sensibel und respektvoll begegnet sie Angehörigen und Überlebenden im Interview. Ihre Geschichten werden von Moderatorin Sham Jaff in einen größeren Kontext gesetzt. So wird sowohl die Rolle der Behörden als auch die gesellschaftliche Dimension der Tat analysiert.

 

 

 
 



Gegen uns.

 

Preis verliehen für Recherche und Redaktion

 

Internetadresse: www.gegenuns.de

Anbieter: Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt e.V., Opferberatung "Support" des RAA Sachsen e.V.

Verantwortliche Personen:
Florian Heide (Recherche)
Zuher Jazmati (Recherche)
Heike Kleffner (Redaktion)
Robert Kusche (Redaktion)
Nevena Mitic (Recherche)
Julia Oelkers (Recherche, Redaktion)
Judith Porath (Recherche, Redaktion)
Ceren Türkmen (Recherche, Redaktion)
Lea Wolff (Recherche)
Katharina Wüstefeld (Recherche, Redaktion)

Mitwirkende:
Hermann Bach (Fotobearbeitung)
Nicole Baumunk (Gestaltung, Programmierung)
Lucian Busse (Schnitt)
Arne Janssen (Kamera)
Lars Maibaum (Kamera)
Tina Reis (Gestaltung, Programmierung)
Thomas Walther (Kamera)


Begründung der Jury:
Die Webdokumentation „Gegen uns.“ holt auf eindrucksvolle Weise die Lebensgeschichten von Opfern von Rassismus und rechtsextremistischer Gewalt aus der statistischen Anonymität. Nicht nur um die Tat an sich geht es bei den tiefgehenden und deshalb herausragenden Recherchen; auch der gesellschaftliche Kontext und die Langzeitwirkungen für Betroffene und ihr Umfeld werden mit multimedialen Mitteln von allen Seiten beleuchtet. Archivfotos und Dokumente ergänzen die erschütternden Erzählungen von einem Leben in latenter Gefahr und Bedrohung, von Erniedrigungen, Angriffen, Misshandlungen und Mord. Im Zentrum der Geschichten stehen berührende Videos mit starken Interviews, in denen sich Betroffene und Augenzeugen an die Taten, aber auch an die Folgen erinnern. Die ruhigen, prägnanten Aufnahmen entwickeln dabei eine tiefe emotionale Kraft. Die besondere Stärke von „Gegen uns.“ ist die Verbindung verschiedener Erzählebenen und Darstellungsformen. Das abwechslungsreiche Wechselspiel von kurz und lang, von Text, Foto und Video zieht einen schnell und tief hinein in die Geschichten, die das Bild einer gefährlichen, aber auch gefährdeten Gesellschaft zeichnen. Seine besondere Wirkung erzielt „Gegen uns.“ durch das stringente Konzept und den klaren Aufbau. Die einzelnen Taten sowie ihre Vor- und Nachgeschichten verbinden sich so beim Anschauen der einzelnen Episoden immer mehr zu dem, was sie sind: ein Angriff auf das Gemeinwesen. „Gegen uns.“ trifft mitten ins Herz.

Beschreibung:
Im Mittelpunkt der Webdokumentation "Gegen uns." stehen die Lebensgeschichten von Menschen, die im Osten Deutschlands aus rassistischen, antisemitischen und anderen rechten Motiven angegriffen wurden. In bislang vier Episoden werden in Wort, Bild und Video eindrücklich die Perspektiven der Betroffenen geschildert und die Taten eingeordnet. Sie machen sowohl die Auswirkungen deutlich, die die Gewalt auf ihr Leben hatte, als auch die gesellschaftlichen Folgen von Rassismus, Antisemitismus und rechter Gewalt.

 
 



Preisträger des Grimme Online Award WISSEN und BILDUNG



#StolenMemory

 

Preis verliehen für Idee, Konzept und Gestaltung

 

Internetadresse: stolenmemory.org

Anbieter: Arolsen Archives

Verantwortliche Personen:
Andres Alarcon (Gestaltung)
Floriane Azoulay (Idee, Konzept)
Meng Chang (Gestaltung)
Qian Hao (Gestaltung)
Dorothee Kaser (Idee, Konzept)
Arne Keunecke (Konzept)
Kika Klat (Gestaltung)
Sandra Klitsche (Konzept)
Charlotte Klug (Gestaltung)
Francesca La Vigna (Konzept)
Toby Mory (Gestaltung)
Anke Münster (Idee, Konzept)
Leo Rey (Gestaltung)
Angela Schulz zur Wiesch (Gestaltung)
Cristina Tarpo-Wittich (Gestaltung)

Mitwirkende:
René Arnold (Kamera Interviews Angehörige)
Petter Astedt (Programmierung)
Peter Becker (Sprecher)
Henning Borggräfe (Historische Beratung, Bildungsmaterial)
Uwe Bossenz (Sounddesign, Komposition)
Mykola Chernyshevskyi (Programmierung)
Sophia Engelhardt (Programmierung)
Fabian Fenk (Sounddesign, Komposition)
Ashanti Haring (Programmierung)
Roland Hemmo (Sprecher)
Johanna Ickert (Interviews Angehörige, Schnitt)
Luise Lunow (Sprecherin)
Nikolaus Radeke (Sprachaufnahme)
Juhan Soone (Programmierung)


Begründung der Jury:
Die Ohrringe von Helena Poterska – goldfarben mit roten tropfenförmigen Steinen – brennen sich ins Gedächtnis ein. Helena wurde mit 16 Jahren auf ihrem Schulweg von der Gestapo verhaftet, sie überlebte eine Odyssee durch verschiedene Konzentrationslager und vier Jahre Zwangsarbeit. Die Ohrringe, die sie bei ihrer Verhaftung trug, gehörten zu den Effekten, die in den Arolsen Archives lagern. 77 Jahre später konnten diese Ohrringe ihren Töchtern übergeben werden. „#StolenMemory“ erzählt eindrücklich und nüchtern zugleich Helenas Geschichte, die anderer KZ-Insass*innen und die Geschichte von 2.500 Erinnerungsstücken, die immer noch darauf warten, den Weg zu den Nachkommen ihrer ehemaligen Besitzer*innen zu finden. Die Website bietet mit ihren ästhetisch gelungenen Zugängen – Scrollytellings, Videos im Graphic-Novel-Stil, 360°-Fotografien der Effekten – die Möglichkeit, in Vergangenheit und Gegenwart einzutauchen. Beeindruckend sind die Videos mit Hinterbliebenen, zum Beispiel mit Joop Will, der 70 Jahre nach dem Tod seines Vaters dessen letzten Brief in Händen halten kann. Und das Projekt ist ein Sprungbrett in die Welt der Arolsen Archives selbst, die die Hinterlassenschaften katalogisieren und der Wissenschaft ebenso zugänglich machen wie für die noch andauernde Suche nach Vermissten und Verstorbenen. Allein die vielsprachige Interaktion in den Kommentarspalten berührt zutiefst. „#StolenMemory“ schafft eine andere Art der Geschichtserzählung – über Erinnerungen, die zurückgegeben werden.

Beschreibung:
Johannes, István und Helena – ehemalige KZ-Insass*innen, denen bei ihrer Verhaftung alle persönlichen Gegenstände abgenommen wurden. Noch heute lagern einige dieser "Effekten" in den Arolsen Archives und sollen an die Familien der Opfer zurückgegeben werden. Die Scrollytelling-Website "#StolenMemory" begleitet die Kampagne und zeichnet ausgehend von Brieftasche, Ohrringen oder Füller auf berührende Art die Lebensgeschichte der so jung Verhafteten nach. Lerneinheiten für eine junge Zielgruppe ergänzen das Angebot.

 
 



Niklas Kolorz auf TikTok

 

Preis verliehen für Gesamtverantwortung


Internetadresse: www.tiktok.com/@niklaskolorz

Verantwortliche Person:
Niklas Kolorz (Gesamtverantwortung)

Begründung der Jury:
Das Prinzip von TikTok ist die Überraschung, der Strom der kurzen Videos ist, um ein Filmzitat zu bemühen, wie eine Schachtel Pralinen. Mal kommt ein Champagnertrüffel, mal ein Nusspraliné und wenn man Pech hat, eine von Bertie Botts bunten Bohnen. Die Videos von Niklas Kolorz stechen heraus. Er schafft es, Wissenschaft in verständliche, aber nie vereinfachende Häppchen zu verpacken. Das macht er mit viel Witz und in einem Setting, das auf den ersten Blick gar nicht zu TikTok passt. Aber die Lampe vom Flohmarkt und die karierte Wand als Hintergrund wirken wie eine Art ironischer Brechung. Dabei sind seine Videos wie kleine Köder. Als Zuschauer*in bleibt man hängen, schnell sieht man sich mehr als nur eines an. In diesem Sinne ist Kolorz’ TikTok- Kanal eher wie eine Tüte Chips: Nur schnell ein, zwei Stück essen, aber plötzlich ist die Tüte leer. Mit dem Unterschied, dass nach dem Genuss seiner Videos mehr Wissen hängen bleibt, nicht mehr Gewicht. Dabei hat Niklas Kolorz nicht nur verstanden, wie die Plattform formal funktioniert, er lebt auch die Kultur von TikTok. Er nutzt die Kommentare, um mit seinen Zuschauer*innen in den Dialog zu kommen, greift Themen seiner Followerschaft auf und fördert so die enge Interaktion. Für die Fans seiner TikTok-Videos ist er keine weit entfernte Kunstfigur, sondern erreichbar. Er beweist, dass gerade auf TikTok die Einzelleistung eine Chance hat, sich durchzusetzen. Insbesondere wenn man seine eigene Faszination für das Thema mit so viel Enthusiasmus vermittelt wie Niklas Kolorz.

Beschreibung:
Wissensvermittlung auf TikTok? Das geht – auch ohne ein großes Team im Hintergrund. Niklas Kolorz erklärt auf seinem Kanal in einer Minute astronomische Phänomene oder Aspekte der Evolutionstheorie. Dabei bündelt er seine Videos oft zu thematischen Reihen und geht auf die zahlreichen Kommentare seiner Follower*innen ein. In die Videos werden Bilder, Grafiken und sogar Quellenangaben eingeblendet. Die sachlich-schlichte Präsentation kommt ohne viele TikTok-eigene Spielereien aus, mitnichten aber ohne Witz.

 
 



Preisträger des Grimme Online Award KULTUR und UNTERHALTUNG



Dulsberg Late Night

 

Preis verliehen für Idee und Konzept

 

Internetadresse: linktr.ee/dulsberglatenight

Anbieter: Grund- und Stadtteilschule Alter Teichweg und Kulturagenten für kreative Schulen Hamburg

Verantwortliche Personen:
Martin D'Costa (Konzept)
Björn Lengwenus (Idee)
Ole Schwarz (Konzept)
Matthias Vogel (Konzept)

Mitwirkende:
Andreas Eggers (Mitarbeit)
Sina Greinert (Mitarbeit)
Jacob Hohf (Mitarbeit)
Hauke Horeis (Mitarbeit)
Hanne Lenze-Lauch (Mitarbeit)
Tobias Lindner (Mitarbeit)
Sebastian Natto (Animation)
Ronja Sophie Putz (Mitarbeit)
Kerstin Steeb (Mitarbeit)
Judith Zastrow (Mitarbeit)


Begründung der Jury:
Inmitten der Corona- Düsternis war „Dulsberg Late Night“ ein Leuchtturm der Hoffnung: Während das Land gerade in die Schockstarre des ersten Lockdowns verfiel, war Schulleiter Björn Lengwenus bereits auf Sendung – amüsant statt larmoyant. Wo andere Schulen ihre Türen schlossen, wurden in Dulsberg die Fenster zur Welt aufgerissen. Zu sehen war, was in einer Schule möglich ist, wenn pädagogische Leidenschaft und künstlerische Kreativität auf eine Krise treffen. „Dulsberg Late Night“ schaffte es mit einfachen Mitteln des Internets auf herausragende Weise, in einer Zeit der Agonie und der Einsamkeit das Gemeinschaftsgefühl der eigenen Schule zu stärken – und sie zugleich dem ganzen Land als charmantes Vorbild zu präsentieren. Mit der Kombination aus einfachen Kommunikationsmitteln und hoher technischer Qualität verwandelte ein kleines Team innerhalb kürzester Zeit die leere Aula der Grund- und Stadtteilschule ins Zentrum eines sozialen Mediums: Wie ein Showmaster brachte Lengwenus die Schüler*innen per Video mit Humor und Selbstironie in seiner Sendung zusammen – und zum Lachen. Der tägliche Auftritt schuf ein digitales Lagerfeuer, um das sich Abend für Abend alle versammelten, um einander ihre Geschichten zu erzählen, anstatt allein vor dem Rechner zu sitzen. Und immer mehr Menschen schauten staunend zu, weil es gelang, auch die Hamburger Stadtgesellschaft in die Show einzubinden. „Dulsberg Late Night“ zeigt auf begeisternde Weise, was in einer digitalisierten Schule stecken kann.

Beschreibung:
Im März 2020, als andere Schulen in Deutschland noch überlegten, wie man eigentlich an E-Mail-Adressen kommt, war die Stadtteilschule Alter Teichweg schon auf Sendung. Schulleiter Björn Lengwenus führte als Begleitung zum Homeschooling durch die tägliche "Dulsberg Late Night" Show. Mit viel Witz und Selbstironie stromerte er durch die leere Schule, machte Spielchen mit Schüler*innen und führte Videotelefonate mit ihnen und anderen Interviewpartner*innen. Ein Format für mehr Zusammengehörigkeitsgefühl im Lockdown.

 
 



Queerkram

 

Preis verliehen für Gesamtverantwortung

 

Internetadresse: queerkram.com

Verantwortliche Person:
Johannes Kram (Gesamtverantwortung)

Begründung der Jury:
Hier geht es um „alles, was nicht der heterosexuellen Norm entspricht“ – so eröffnet „Nollendorfblog“- Macher Johannes Kram jede Folge seines Podcasts. „Queerkram“ ist ganz offenkundig der Podcast eines so erfahrenen wie kämpferischen Berliner Aktivisten, der im Verlauf jeder Ausgabe seine Themen und Begriffe für die LGBTI*-Community setzt. Doch macht er das ganz ohne Holzhammer. Vielmehr nähert sich Kram seinen Gesprächspartner*innen stets gut vorbereitet und führt seine Interviews mit spürbarem Interesse und Offenheit für ihre Ansichten und Erfahrungen – ob sie nun als queere Sexarbeiterin und Feministin Prominenz erlangt haben oder durch das RTL-Dschungelcamp in völlig anderen Zielgruppen, ob sie für die FDP im Bundestag sitzen oder als Spitzenkandidat der Linken in den Berliner Wahlkampf ziehen. So werden immer wieder neue Blickwinkel eröffnet und unterschiedliche Themen ausgeleuchtet, die gleichzeitig produktiv in den politischen und gesellschaftlichen Diskurs verwoben werden. Zusammen mit seinen Gäst*innen schafft es Kram, die Relevanz queerer Themen im gesamtgesellschaftlichen Kontext zu akzentuieren. Niemand im Publikum wird ausgeschlossen, sondern tiefgehende Gespräche entwickeln sich, die für die Zuhörer*innen hochinteressant sind und durch die alle etwas lernen können. Die dichten, oft vom ersten Satz an spannenden Podcastfolgen zeigen, dass Krams Überzeugung, „dass sich alle etwas zu sagen haben“, zutrifft. Damit ist „Queerkram“ ein idealtypischer Beitrag zur Meinungsbildung – und überdies meist auch gute Unterhaltung.

Beschreibung:
Wie fühlt es sich an, als schwuler Politiker der AfD im Bundestag gegenüber zu treten? Muss ein Traumschiff-Kapitän immer weiß sein? Und wie queerfeindlich sind die Corona-Regeln? Johannes Kram lädt für den Podcast "Queerkram" von queer.de Interviewpartner*innen aus der LGBTI*-Szene – und darüber hinaus – ein und spricht mit ihnen über Themen wie Homophobie, queere Sichtbarkeit oder die Situation von LGBTI* in der Gesellschaft. Dabei entstehen konstruktive und fundierte Gespräche, die wertvolle Einblicke geben.

 
 



Preisträger des Grimme Online Award SPEZIAL



dekoder Specials

 

Preis verliehen für Konzept, Redaktion und Visualisierung

 

Internetadresse: specials.dekoder.org

Anbieter: dekoder gGmbH

Verantwortliche Personen:
Jan Matti Dollbaum (Redaktion)
Mandy Ganske-Zapf (Redaktion)
Anton Himmelspach (Redaktion)
Dmitry Kartsev (Redaktion)
Leonid A. Klimov (Konzept, Redaktion)
Tamina Kutscher (Konzept, Redaktion)
Daniel Marcus (Visualisierung)
Friederike Meltendorf (Redaktion)
Ingo Petz (Redaktion)
Jakob Reuster (Redaktion)
Alena Schwarz (Redaktion)

Mitwirkende:
Victor Dönninghaus (Wissenschaftliche Betreuung)
Dmytro Myeshkov (Wissenschaftliche Betreuung)
Heiko Pleines (Wissenschaftliche Betreuung)
Monica Rüthers (Wissenschaftliche Betreuung)
Gwendolyn Sasse (Wissenschaftliche Betreuung)
Benjamin Schenk (Wissenschaftliche Betreuung)


Begründung der Jury:
Von der dokumentarischen digitalen Karte über das multimediale Dossier bis hin zu Scroll-Dokus und lebensgeschichtlichen Diashows: Die „dekoder Specials“ erforschen journalistische Darstellungsformen im Wechselspiel mit denen des Netzes. Dabei wird eine Bandbreite an webspezifischen Elementen sowohl experimentell eingesetzt als auch dezidiert dafür verwendet, Themen vielseitig zu kuratieren. Die bislang 14 Themenfelder der „dekoder Specials“ bieten einen vielfältigen Ein- und Überblick rund um russische Kultur, Politik und Gesellschaft – in medial präsente Debatten, aber auch in persönliche Lebensgeschichten oder kulturelle Praktiken. In diesem umfangreichen Themenspektrum bewerkstelligen sie es, Interessierte mit unterschiedlichen Wissensständen abzuholen, ohne ein einseitiges Meinungsbild zu schaffen. Mit dem zeitgemäßen Einsatz dynamischer Inhalte und ihrer Experimentierfreude zeigen die „dekoder Specials“ vorbildlich die webspezifischen Möglichkeiten journalistischen Arbeitens auf. Sie schaffen es damit, Themen spannend und nachhaltig näher zu bringen. Dabei kombinieren sie redaktionelle Professionalität mit abwechslungsreichen Formen der Datenvisualisierung. Das interaktive Design bietet ein individuelles Nutzungserlebnis und animiert dazu, die Dossiers durchzuklicken und zu entdecken. Gleichzeitig laden die journalistischen und wissenschaftlichen Perspektiven dazu ein, sich eine fundierte Meinung über Russland zu bilden. Die „dekoder Specials“ zeigen damit auf, wie vielfältig guter Online-Journalismus aussehen kann.

Beschreibung:
Wie eine Spielwiese für Netz-Formate wirken die Specials von "dekoder.org". Egal, ob es um Proteste in Belarus oder Russland geht, das russische Dampfbad Banja oder darum, was Putin in den vergangenen 20 Jahren gesagt hat: Wissenschaftler*innen, Journalist*innen, Webdesigner*innen und Programmierer*innen arbeiten gemeinsam an den Themen-Specials. Dabei entstehen interessante datenjournalistische Auswertungen sowie anmutige Geschichten an der Schnittstelle von Wissenschaft und Journalismus.  

 
 



Die beste Instanz

 

Preis verliehen für Idee, Konzept und Redaktion

Internetadresse: instanz.enissa-amani.de

Verantwortliche Personen:
Enissa Amani (Idee, Konzept)
Erhan Dogan (Konzept)
Sam Shamami (Redaktion)

Mitwirkende:
Mariana Andrade Koch (Ton)
Marco Eisenbarth (Licht)
Adal Giorgis (Aufnahmeleitung)
Jannick Hartmann (Kamera)
Thomas Joseph (Sounddesign)
Benjamin Lalande (Schnitt)
Noosh Latifi (Produktionsassistenz)
Tristan Richter (Kamera)
Jannic Sabo (Licht)
Brian Stitz (Kamera)
Badar Waleed (Kamera)

Begründung der Jury:
Inmitten der kontroversen Diskussion um die umstrittene WDR-Sendung „Die letzte Instanz“, in der sich eine rein weiß besetzte Runde von prominenten Personen unkundig und unangebracht über Rassismus unterhielt, reagierte die Comedienne Enissa Amani mit einer überraschenden Intervention und demonstrierte, wie es anders – besser – gehen könnte: Eigenständig initiierte, moderierte und finanzierte sie die Internet-Sendung „Die beste Instanz“, in der fünf Expert*innen fundiert, sachlich und informiert über Antisemitismus und Rassismus im Allgemeinen und Diskriminierungen gegen Sinti*ze und Rom*nja im Speziellen diskutierten. So fand ein inhaltlich bereicherndes, besonnenes, dialogisches Gespräch statt, bei dem die Teilnehmenden aufeinander eingingen, einander ergänzten und voneinander lernten. Damit steht die Sendung nicht nur mit dem kompetenten Inhalt, sondern auch mit der Art des Gesprächs im Kontrast zu anderen prominenten Formaten, in denen über aktuelle politische Themen debattiert wird. Vor allem aber ist „Die beste Instanz“ ein Beispiel für das demokratisierende Potential des Internets, das nicht nur durch Kritik an bestehenden Formaten, sondern auch durch das Schaffen alternativer Räume und Gegenangebote nachhaltig wirken kann. Sie offenbart also nicht nur Missstände in der Medienlandschaft, sondern auch, wie leicht sie vermeidbar wären, wenn ein entsprechender Wille bestünde. Eine unmittelbare, starke, konstruktive Intervention für eine gerechtere Gesellschaft und Zukunft.

Beschreibung:
In der WDR-Sendung "Die letzte Instanz" diskutierte eine rein weiß besetzte Prominentenrunde ohne jede Sachkenntnis unter anderem über Rassismus. Als Reaktion darauf initiierte, moderierte und finanzierte die Comedienne Enissa Amani ein eigenes Talk-Panel auf ihrem YouTube-Kanal. Mit fünf Gäst*innen, allesamt Expert*innen zu Themen wie Rassismus, Antisemitismus oder Antiziganismus diskutierte sie fundiert und sachlich Probleme wie Lösungen und kann so Vorbild sein für erkenntnisreichere Fernseh-Talkshows.

 
 



Preisträger des Grimme Online Award PUBLIKUMSPREIS



Niklas Kolorz auf TikTok

 

Wissensvermittlung auf TikTok? Das geht – auch ohne ein großes Team im Hintergrund. Niklas Kolorz erklärt auf seinem Kanal in einer Minute astronomische Phänomene oder Aspekte der Evolutionstheorie. Dabei bündelt er seine Videos oft zu thematischen Reihen und geht auf die zahlreichen Kommentare seiner Follower*innen ein. In die Videos werden Bilder, Grafiken und sogar Quellenangaben eingeblendet. Die sachlich-schlichte Präsentation kommt ohne viele TikTok-eigene Spielereien aus, mitnichten aber ohne Witz.

Gesamtverantwortung: Niklas Kolorz

Internetadresse: www.tiktok.com/@niklaskolorz