Bekanntgabe bei der Düsseldorfer re:publica

Nominierungen bekannt gegeben

28 Netzangebote haben es in diesem Jahr auf die Nominierungsliste für den Grimme Online Award geschafft. Sie wurden aus fast sechshundert Einreichungen ausgewählt – eine leichte Steigerung zum Vorjahr. Erstmals konnten die Nominierungen im Rahmen der Düsseldorfer Ausgabe der re:publica im NRW-Forum bekannt gegeben werden. Zahlreiche Kommissionsmitglieder, Nominierte und digital Interessierte waren vor Ort und diskutierten über Qualität im Netz, aktuelle Herausforderungen und die Zukunft unserer digitalen Demokratie.

„Die Nominierten machen sichtbar, wie vielfältig und anspruchsvoll Qualität im Netz gestaltet werden kann – eine Qualität, die von vielen im Sinne eines ‚Mehr‘ gefordert wird und im digitalen Alltag doch so häufig fehlt“, so Grimme-Direktorin Ciğdem Uzunoğlu. Und weiter: „Zugleich leisten die nominierten Angebote einen substanziellen Beitrag zur Meinungsvielfalt und machen das Netz zu dem Debattenraum, den wir so dringend benötigen.“ Für Uzunoğlu war die Veranstaltung rund um die Bekanntgabe der diesjährigen Nominierungen (deshalb) nicht nur eine Feier für Qualität im Netz, sondern zugleich „ein Fest für unsere digitale Demokratie“. 

Besonders erfreut war sie über die Vielfalt der Ansätze, die sich in den Nominierungen zeigen: neue Wege im Journalismus, innovative Formen der Community-Einbindung, Angebote zur Auseinandersetzung mit dem Klimawandel und erstmals ein Twitch-Format. Auch Angebote für Kinder und Jugendliche sind dabei. „Kurz und gut: Die Nominierungen sind ein bunter Mix – und eigentlich wäre jedes einzelne Angebot es wert, hier genannt und ausführlich diskutiert zu werden.“

Ein Jahrgang zwischen politischer Herausforderung und Leichtigkeit

Wie ist er also, der Jahrgang 2026? Dazu Ciğdem Uzunoğlu: „Wir leben in besonderen politischen Zeiten, werden herausgefordert von ‚Big Tech‘ auf der einen Seite und von einer Partei, die tiefe Einschnitte in unsere Medienlandschaft vornehmen und unsere Medienvielfalt einschränken will, auf der anderen Seite. Die vielfach politisch gehaltvollen Nominierungen liefern hier ein Gegenangebot! Gleichzeitig findet sich hier und da auch etwas Leichtigkeit.“

Auch die Nominierungskommission blickt in ihrem Bericht auf die politischen und technologischen Entwicklungen, die den diesjährigen Wettbewerb prägen - insbesondere vom Ringen um die Vorherrschaft US-amerikanischer Digitalkonzerne. 

„Der Kampf um das Internet ist in vollem Gange. Big-Tech-Konzerne entwickeln sich immer schneller zu einer Gefahr für die Demokratie“, stellt die Nominierungskommission fest. Diese Entwicklung gehe auch am Grimme Online Award nicht spurlos vorbei. Die kommerziellen Plattformen der großen Tech-Unternehmen begrenzten zunehmend, wie Online-Publizistik gestaltet werden könne: „Ihre Algorithmen stellen ganz konkrete Anforderungen an die Gestaltung der Inhalte; viele Plattformen schränken Verlinkungen auf externe Webseiten stark ein. Damit verhindern sie, dass das Potenzial des Internets für herausragende Publizistik voll ausgeschöpft wird.“

Die 28 nominierten Angebote setzen dem vielfältige Antworten entgegen.

Klimawandel, Demokratie und historische Verantwortung

Immer wieder haben die Grimme-Gremien eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Klimawandel gefordert. In diesem Jahr setzen gleich mehrere nominierte Angebote hier an – etwa der „Brandmelder – Klima braucht Kontext“ oder das Multimedia-Scrollytelling aus der Schweiz „Das große Tauen. Wie der Klimawandel Bergdörfer bedroht“.

Politisch wird es unter anderem bei „vollmarcant“ auf YouTube: Marcant befragt AfD-Anhänger*innen nach ihrer Motivation, an Demonstrationen teilzunehmen. Das interaktive SPIEGEL-Angebot zur NSDAP-Mitgliedschaft wiederum lädt dazu ein, sich mit historischer Verantwortung und der eigenen Familiengeschichte auseinanderzusetzen.

Einige der nominierten Angebote setzen sich mit den Möglichkeiten und Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinander, andere wenden sie gezielt an. Besonders erfreulich: Diesmal finden sich unter den Nominierten auch Angebote für Zielgruppen, die in der digitalen Medienlandschaft bislang häufig zu wenig berücksichtigt werden – etwa Kinder und Jugendliche. Es ist ein Thema, das von den Grimme-Gremien seit Jahren immer wieder angemahnt wird.

Premiere für Twitch-Format und mehr

Und die Leichtigkeit? Die findet sich unter anderem auf Twitch. Die Plattform hat sich längst von einem Angebot vor allem für Gamer zu einem Informations- und Debattenkanal entwickelt, der auch neuen und kreativen Unterhaltungsformaten Raum gibt.

Das hat auch die ARD für sich entdeckt und entwickelt zunehmend eigene Formate für die Plattform. In diesem Jahr erhält der „ARD Game Jam - Classical Edition“ eine Nominierung. Das Format dockt an die Zielgruppe der Gamer an, wagt dabei aber neue Wege: Es macht kreative Prozesse sichtbar und versucht, klassische Musik auf ungewöhnliche Weise zu vermitteln. Es ist die erste Nominierung eines Twitch-Formats beim Grimme Online Award.

Weitere besondere Formate und Initiativen kommen hinzu: Der „Digital Independence Day“ gibt Anleitungen für mehr digitale Souveränität im Alltag. Die fragdenstaat-Initiative zur Rettung des Informationsfreiheitsgesetzes setzt sich für die gesetzliche Grundlage zahlreicher Investigativ-Recherchen ein bzw. gegen die geplanten massiven Einschränkungen des Auskunftsrechts.

Publikumsvoting startet am 16. Oktober

Und wie geht es weiter? Ab dem 16. Oktober startet bereits das Publikumsvoting.

Und die siebenköpfige Jury bestimmt aus den nominierten Angeboten bis zu acht Preisträger*innen in den vier Wettbewerbskategorien Information, Wissen und Bildung, Kultur und Unterhaltung sowie Spezial. Die Auszeichnungen werden Anfang Dezember bei der Preisverleihung auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein in Essen überreicht.