Grimme Online Award 2022

Im Fokus: Wissenschaftsvermittlung

Die letzten Monate waren turbulent. Zunächst durch Corona und dann durch den Konflikt in der Ukraine. Besonders in Zeiten der Pandemie gab es in der Bevölkerung ein großes Bedürfnis nach wissenschaftlichen Informationen – in einem wohl nie zuvor gekannten Maße. Doch die vielfältigen Wege der Vermittlung haben auch vielfältige „Gefahren“ bei der medialen Vermittlung von Informationen aufgezeigt. Besonders die sozialen Netzwerke und Plattformen schwappten in der „Many-to-many“-Kommunikationswelt vor Fehlinformationen und Desinformation über.

Das Thema „Wissenschaftskommunikation / Wissenschaftsjournalismus“ ist in Zeiten der Pandemie in den Fokus der Medienbeobachter und der Medienkritik geraten und virulent geworden. Die Aufsätze in der Publikation zum diesjährigen Grimme Online Award nehmen diese und weitere Fragen in den Blick.

In seinem Beitrag „Beziehungsstatus ungeklärt“ bringt es Volker Stollorz gleich direkt auf den Punkt: Neben der Corona-Krise hat sich auch eine Beziehungskrise zwischen Wissenschaft und Journalismus entfacht. Eine Berichterstattung nach dem Vielfaltsprinzip erwies sich, so Stollorz, „als medial attraktiv, aber zugleich kontraproduktiv“.

Über die Kanäle der Sozialen Medien besteht ein großes Potential für die Wissenschaftskommunikation, stellt Lars Fischer heraus. Aber diese sind eben vor allem eins: sozial. Die Anrede des Publikums muss also dementsprechend angepasst werden.
Einer, der das besonders erfolgreich nutzt, ist der Wissenschaftsjournalist und Content Creator Niklas Kolorz. Über TikTok, Instagram und YouTube begeistert er mit seinen Videos und Posts ein Millionenpublikum und erhielt 2021 den Grimme Online Award gleich zweimal, in der Kategorie „Wissen und Bildung“ und den Publikumspreis.
Für den Grimme Online Award nominiert war auch bereits vor einigen Jahren die Webseite medien-doktor.de. Die leitende Redakteurin Dr. med. Astrid Viciano berichtet von der Wucht, mit der die Corona-Pandemie den Bereich des Medizinjournalismus erreicht hat.

Wie kann eine breite Öffentlichkeit unterhaltsam, aber dennoch sachlich fundiert erreicht werden? Im Interview schildern die Journalisten Kai Kupferschmidt, Laura Salm-Reifferscheidt und Nicolas Semak vom Podcast „Pandemia“, warum gerade das Medium Audio besonders gut geeignet ist zur Vermittlung von komplexen Inhalte.
Alle Menschen zu erreichen, das sollte im Vordergrund stehen. Anne Leichtfuß, Dolmetscherin und Übersetzerin für Leichte Sprache, bemängelt das immer noch sehr begrenzte Angebot. Zusammen mit anderen Freiberufler*innen hat sie daher die Website „Corona Leichte Sprache“ (corona-leichte-sprache.de) lanciert.

„Vergesst den Elfenbeinturm und die Einbahnstraße!“, gebraucht wird ein direkter Austausch zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit – das ist das Credo von Dr. Matthias Begenat, der die Wissenschaftskommunikation am Center for Advanced Internet Studies (CAIS) in Bochum leitet.

Die Ansprache aller und verschiedener Zielgruppen mit unterschiedlichen Voraussetzungen und divergierenden Interessen, ist auch ein Spagat für die unterstützende Visualisierung von Zahlen und Statistiken. Datenjournalist Michael Hörz erläutert dies anschaulich und stellt grundlegende Regeln vor. Desinformation zu entlarven, das ist die Aufgabe von Faktenchecks. Seit der Pandemie gibt es vermehrt Falschnachrichten bei Wissenschaftsthemen, wie Stefan Voß berichtet. Er hat das Faktencheck-Team der Deutschen Presse-Agentur (dpa) aufgebaut.

Lesen Sie mehr dazu in der „grimme“ Broschüre zum Grimme Online Award 2022. Diese kann kostenlos beim Grimme-Institut per E-Mail (online-award@grimme-institut.de) bestellt oder als PDF heruntergeladen werden.